Warum ich kein Christ bin

keinchristSeltsamer Titel für einen Beitrag auf einem mehr oder minder christlichem Blog. Um meine Leser zu trösten (oder zu enttäuschen?) – nein, es handelt sich dabei keineswegs um ein Bekenntnis meines eigenen Seelenzustandes.

Sondern um den Titel eines Buches von Kurt Flasch – lustigerweise wollte mir ein Freund und Mitchrist von der Lektüre dringend abraten. Denn was wäre, so seine Sorge, wenn ich nun tatsächlich überzeugende Argumente gegen den christlichen Glauben vorfände.

Tja – was wäre dann? Gute Frage! Bis jetzt lautete meine Antwort auf die Frage “Warum bist du eigentlich Christ” immer ungefähr so: “Weil mich bis jetzt niemand mit vernünftigen Argumenten vom Gegenteil überzeugt hätte!” So stehe ich hier nun also, und kann nicht anders. Als zu glauben. 

Aber warum eigentlich? Oder anders gefragt, hat Kurt Flasch tatsächlich gute Argumente GEGEN den Glauben, über die es nachzudenken gilt? Ich möchte an dieser Stelle nicht über die vielen einzelnen Argumente eingehen, das hole ich – bei Interesse und zeitlichen Ressourcen – gerne später nach. Nur soviel sei gesagt: Ich war ziemlich enttäuscht. Der Autor bemüht sich redlich, mit oftmals ziemlich hochtrabenden philosophischen Sätzen den Leser von seiner Sicht zu überzeugen. In dieser nämlich ist er nach langem Überlegen und einer turbulenten persönlichen Reise zu eben diesem Schluss gekommen. Dass er kein Christ mehr sein könnte. Neben der HISTORISCHEN Kritik, der er sehr viel Raum einräumt, kritisiert er dann auch die GlaubensINHALTE als unvernünftig. Als “Glaubensinhalte” zitiert er ein ums andere Mal honorige christliche Gelehrte wie Thomas von Aquin und Augustinus, ohne sich auf eine philosophische Auseinandersetzung mit christlichen Denkern UNSERER Zeit auseinanderzusetzen (John Lennox, Alvin Plantinga, Sören Kierkegaard, um nur drei zu nennen). Er macht sich lustig über die Höllenvorstellungen mittelalterlicher Denker, die er dann natürlich mit Leichtigkeit widerlegt. Er kritisiert das Lehrgebäude der römisch-katholischen Kirche und die Dogmengeschichte – all das durchaus zu recht und eloquent. Aber mit dem christlichen GLAUBEN setzt er sich so gut wie gar nicht auseinander.

Und auch was seine Hauptkritik angeht – seine Aussage, dass all das, was in der Bibel steht, nicht historisch sei, bleibt relativ unbelegt stehen. Nirgends setzt er sich mit herausragenden Theologen wie Klaus Berger (“Die Bibelfälscher“) auseinander, die das Gegenteil annehmen und begründen.

Seine “Liste der Unvernünftigkeiten”

Zuletzt noch ein kurzer Kommentar zu seiner “Liste der Unvernünftigkeiten” am Schluss des Buches, wo er kompakt und übersichtlich zu zeigen versucht, dass ein “vernünftiger Mensch” wohl nur dann Christ sein kann, wenn er seinen Verstand an der Garderobe abgibt:

3.1 Kurt Flasch findet es befremdlich, dass die Kirche (lt. Kurt Flasch die katholische bis 1960, die evangelische bis 1800) behauptet, das Alte und das Neue Testament zeigen den wahren Gott. Seiner Meinung nach ist der Gott des Alten Testamentes aber rachsüchtig, kleinlich, eifersüchtig und blutrünstig und er belegt das durch passende Zitate. Allerdings ignoriert er VOLLKOMMEN alle anders lautenden Zitate, die ein total anderes und “vollkommeneres” Gottesbild zeigen, als das von ihm dargestellte

3.2 Die Kirchen fordern – so Kurt Flasch – einen historischen Glauben. Dieser sei aber  völliger Unsinn sei. Das belegt er sonderbarerweise mit den Berichten über das leere Grab (war es also nicht leer? Dann, Hr. Flasch, wo bitteschön war denn der Leichnam? Warum wurde die Jesus-Bewegung nicht sofort vernichtet, indem die Juden, die Römer oder sonstwer einfach den toten Jesus präsentierten?). Auch fehlt wie im gesamten Buch die Auseinandersetzung mit Theologen “seiner Zeit”, wie Klaus Berger – aber diese Auseinandersetzung “auf Augenhöhe” meidet der Autor konsequent!

3.3 Die Apostelgeschichte sei kein Augenzeugenbericht, so der Autor und er belegt das mit der Erzählung über die Bekehrung des Paulus. Das stimmt – aber das behauptet die Apostelgeschichte auch nicht. Sie sagt, sie wurde von Lukas geschrieben, der recherchiert und Menschen BEFRAGT hat. Zum Beispiel Paulus.

3.4 Jesus und Paulus haben das nahe Weltende verkündet – als das ausblieb, fiel das biblische Erlösungsmotiv in sich zusammen. Es stimmt vermutlich, dass Paulus und die anderen ersten Christen ein baldiges Weltende erwarteten. Jesus jedoch verkündete ein REICH GOTTES das SCHON JETZT begann – schon während er gelebt hat.

3.5 Die Unvereinbarkeit der “Trinitätslehre” die so in der Bibel nicht vorkomme – auch das stimmt (bedingt), es kommen verschiedene Aussagen vor, die sich über die Lehre der Trinität “vereinbaren” lassen. Denn die Bibel sagt klar (auch wenn er es nicht wahrhaben will) dass Gott – der Vater, ganz Gott ist UND das Jesus, der Sohn, ganz Gott ist. Es aber nur einen Gott gibt. Andere Lösungsvorschläge sind natürlich willkommen 😉

3.6 + 3.8 Jesus könne nicht “Gott und Mensch” gleichzeitig sein und Gott könne doch nicht “die Menschen durch seinen eigenen Tod mit sich selbst erlösen”! So Kurt Flasch. Aber warum eigentlich nicht? Wäre es für ihn “besser” wenn Gott einen unbeteiligten dritten sterben hätte lassen?

3.7 Der Autor behauptet, dass Augustins theologische Spekulationen und sein Sexismus erst den Gedanken der “vererbbaren Schuld” schufen. Sonderbar, dass bereits Paulus erklärte, dass durch EINEN Menschen, Adam, die Sünde für alle in die Welt kam. Aber bei solchen Details hält sich Kurt Flasch nicht auf.

3.9 Er kritisiert die Abendmahlslehre bzw. die ihr zugrunde liegende Lehre der Transsubstantionslehre. Diese besagt, dass Brot und Wein tatsächlich sich der “Substanz” nach in Fleisch und Blut verwandelten, während ihr “Wesen” gleich bliebe. Nun, dieses aus der griechischen Philosophie stammende Motiv würde ich durchaus auch hinterfragen …

3.10 In der letzten Behauptung kritisiert er nochmals das katholische Dogmengebäude, die Unfehlbarkeit des Papstes und ähnliches – aber das hatten wir alles bereits.

Alles in allem muss ich zu dem Schluss kommen, dass ich auf die Frage, warum ich denn Christ sei, immer noch gleich antworten werde: “Weil mich noch niemand vom Gegenteil überzeugt hat!” Daran ist auch Kurt Flasch gescheitert. Und nein, die Aussage, dass er wohl eh “niemanden überzeugen wollte” überzeugt mich nicht. Denn in dem Buch beruft er sich immer wieder auf “die Wahrheit” und “die Vernunft”! Wenn ich auf diesem Feld argumentiere, begebe ich mich zwangsläufig in den Disput mit anderen, wo von vornherein klar ist: “Beides KANN nicht wahr und vernünftig sein” – wenn gegenteiliges behauptet wird.

Wie gesagt – falls hier bei den Lesern Interesse besteht und es meine zeitlichen Ressourcen zulassen, werde ich auf manche seiner “Argumente” noch näher eingehen 🙂

Schönen Abend noch
Euer Theolunke

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