Gedanken zur “Islamismus-Debatte”

Nein, euch erwartet hier keine profunde und sachkundige Analyse der Thematik. Nachdem der Theolunke lange geschwiegen hat – zum Großteil aus studientechnischen Gründen (sprich: Zeitmangel) meldet er sich zu dem aktuellen Thema doch zu Wort. Aus einem einfachen Grund – das dazu gehörige “Alter Ego” wurde vor kurzem darauf angesprochen, dass er doch auf Facebook nicht unbedingt so viel “politisches” und andere kontroverse Themen anschneiden sollte. Immerhin wird er ja viel gelesen, und er solle seine Zeit doch damit nützen, Erbauliches, Positives – kurz: Harmloses – zu posten.

Nun gut – muss also wieder der Theolunke herhalten 🙂 Bin ja nicht ich, der hier schreibt.

Aber zum Thema: “Islamismus hat nichts mit Islam zu tun” hört man in den letzten Tagen, nach dem Anschlag auf Charlie Hebdo immer wieder. Und “Der Islam gehört zu Deutschland” wird von Angela Merkel verkündet. Und natürlich “Der Islam ist eine friedfertige Religion”. All diese Aussagen kann ich sehr gut nachvollziehen. Viele, die Muslime in seiner Nachbarschaft haben, berichten davon dass es nette, freundliche und zuvorkommende Leute sind (eine Erfahrung die ich auch gemacht habe). Aber kann man angesichts der Tatsache, dass es so gut wie kein islamisches Land gibt, in dem echte Meinungs-und Religionsfreiheit herrschen, diese These halten? Und die Tatsache, dass sich der islamische Terror zu einem großen Teil gegen Muslime richtet, ist auch bezeichnend: Denn das Ziel ist es ja eben, den “reinen” Islam zu erhalten bzw. “zurück zu den Wurzeln”, zu Mohammed zu gehen. Und jeder der sich ein bisschen in Geschichte auskennt wird bestätigen: Mohammed war ein Kriegsherr, der mit Waffengewalt die arabische Welt und darüber hinaus eroberte. In diesen Fußspuren wandeln die heutigen IS-Kämpfer, die Krieger der Al-Quai-da, die al-Aqusa Brigaden, die Hisbollah, der islamische Dschihad, die al-Shabaab Milizen, Boko Haram und viele andere.

Oft hört man dann aber auch das Argument: Das Christentum hat sich in der Vergangenheit ja auch nicht gerade mit Ruhm bekleckert. Auch an unseren Händen klebt Blut, auch im Namen der Bibel wurden unglaubliche Gräueltaten begangen. Und das stimmt, das ist eine historische Tatsache. Doch der Vergleich mit dem Islam zeigt: Das Christentum konnte durch eine “Reformation”, durch eine Rückbesinnung auf seine Wurzeln, auf Jesus Christus, die Grundlagen neu formulieren. Übrigens – ich denke, diese “Reformation” fand auch in der katholischen Kirche statt 🙂 Es geht also nicht nur um die evangelische Kirche! Die Frage ist, was wäre, wenn sich der Islam im Zuge einer “Reformation” wieder auf die eigentlichen Grundlagen, die Wurzeln, besinnt? Ob das dann ein “friedlicher Islam” wird, das wage ich zu bezweifeln!

Ein kurzer Vergleich zeigt, was ich meine

(1) Jesus sagte immer: “Mein Reich ist NICHT von dieser Welt” (Johannesevangelium 18,37). Auch wenn manche erwarteten, dass sein Reich mit Waffengewalt aufgebaut werden würde (und das später vor allem im Mittelalter auch versucht haben) – Jesus wandte sich in seinen Worten UND Taten klar gegen diese Annahme. Jesus kam nicht um ein politisches System aufzubauen und deswegen gibt es keine theologische Begründung für ein “politisches Christentum”. In der Gründungsgeschichte des Islams finden wir die gewaltsame Vertreibung aller Nichtmuslime aus Medina (darunter viele Juden), die militärische Eroberung Mekkas, die Unterwerfung fast aller Stämme der arabischen Halbinsel – all das unter “dem Propheten” Mohammed. Die überlieferten Worte des Propheten UND seine Taten sprechen eine eindeutige Sprache!

(2) Die Bibel gilt als “Wort Gottes” – allerdings muss dieses Wort Gottes zu allen Zeiten “kontextualisiert” werden, es wird in die aktuellen Sprachen übersetzt, es wird diskutiert, wissenschaftlich analysiert, kritisiert und immer wieder neu aktuell – durch den “heiligen Geist” (ein Konzept, das dem Islam fremd ist) kann das geschriebene Wort Gottes ein “lebendiges Wort” sein, das heute zu uns spricht. Der Koran ist – so wie er ist – unangreifbar, nicht zu übersetzen (für viele Muslime ist jede Übersetzung “nur” eine Übertragung und somit nicht Wort Gottes), nicht zu kritisieren, zu diskutieren und zu kontextualisieren. Der einzige Zugang zu dem Wort Gottes ist der “Imam”, hinterfragen ist nicht erlaubt. (Dazu eine kurze Geschichte aus meinem kurzen Studiums-Intermezzo auf der Theologischen Fakultät in Innsbruck: Manche der Studierenden waren Muslime, die islamische Religionspädagogik studierten. Bei den Diskussionen in den philosophischen Fächern endete JEDES Gespräch mit ihnen mit dem Satz: “Der Imam hat gesagt …”)
Der alleinige Interpretationsanspruch der Bibel durch “die Geistlichkeit”, den es in der Kirche ja auch gab (und zum Teil noch gibt) wird schon durch die Bibel selbst wiederlegt – wenn eben gesagt wird, dass der heilige Geist an ALLE ausgegossen wird. Wie geschrieben, ein Konzept, dass dem Islam fremd ist.

(3) Wenn Christen “extrem” und “radikal” werden, dann nehmen sie zu an Nächstenliebe – gut, manchmal werden sie etwas komisch und sonderbar, zugegeben. Aber niemals würde man auf die Idee kommen, mit einem Bombengürtel um den Leib andere Menschen in die Luft zu sprengen. Das gab es zu keiner Zeit der Geschichte – einfach, weil die Grundlage komplett fehlt. Wenn Muslime “extrem” und “radikal” werden, sollten sich Eltern sorgen machen und die “Radikalisierungshotline” des Bundesministeriums anrufen. Weil es eben im Islam diese Grundlage gibt! (und ja, es gibt auch christlich angehauchte “Sekten” – diese werden zwar nicht gewalttätig, sind aber trotzdem bedenklich. Sie sind aber im Gegensatz zum “radikalen Islam” eine extreme Minderheit)

(4) Oft wird dann auch gesagt, im Christentum gibt es ja auch das Alte Testament, wo auch religiös motivierte Kriege und Gewalt gut geheißen wird. Das stimmt – doch sind sich ALLE christlichen Kirchen einig, dass das Alte Testament im Licht des Neuen Testamentes interpretiert werden muss. Dem Islam FEHLT so ein “Neues Testament”, darum führt ein “zurück zum echten Islam” zu den Dingen, die wir heute sehen!

Soviel mal ein paar Gedanken von mir. Übrigens – viele Leute sagen auch, dass die RELIGION an sich das Problem ist. Und die Lösung liege in der Abschaffung der Religionen. All diesen Menschen sei gesagt, dass atheistische Regime bis heute noch nicht durch Meinungsfreiheit, Friede oder Gewaltlosigkeit geglänzt hätten. Im krassen Gegenteil dazu finden sich bei den größten Massenmördern der Geschichte Mao Zedong und Stalin – das aktuell vielleicht brutalste Regime befindet sich im streng atheistischen Nordkorea.

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4 Responses to Gedanken zur “Islamismus-Debatte”

  1. Steffi says:

    Ein sehr guter Beitrag. Sachlich, fundiert, ohne Hetze. Danke. Steffi

  2. Pingback: Wie Christen auf Muslime reagieren können | Der Theolunke

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