Was kann der Feigenbaum dafür?

feigenbaumHeute bin ich wegen einer richtig seltsamen Geschichte von Jesus gefragt worden. Er ist mit seinen Freunden auf den Weg nach Jerusalem, es ist “Passah-Zeit”, also Frühjahr. Nach dem umjubelten Einzug in Jerusalem hat Jesus Hunger, und er sieht einen Feigenbaum voller Blätter. Er geht zu dem Baum und sucht nach Feigen – aber er findet keine!
Was auch kein Wunder ist – die Bibel sagt uns sogar, “es ist keine Zeit für Feigen!” Im Frühjahr gibt es keine Feigen, die erntet man erst später! Wusste Jesus das nicht? Hat ihm der Hunger den Verstand geraubt?

Und es wird noch seltsamer: Jesus verflucht diesen armen Feigenbaum, weil er keine Früchte trägt! “Was kann denn der Baum dafür?” drängt sich als Einwand auf! Was sollte denn diese kindische Reaktion von Jesus? Die Freunde von Jesus scheinen das ohne Kommentar zur Kenntnis zu nehmen.

Später weist Petrus, einer seiner Freunde, darauf hin: “Schau mal, Jesus, der Baum, den du verflucht hast – er ist verdorrt!” Ganz überrascht scheint er zu sein, der liebe Petrus! Worauf Jesus ihm (und seinen anderen Freunden) erklärt: “Alles, worum wir Gott bitten, werden wir bekommen!” OK, Jesus mag Gegenstandslektionen, aber hatte er deswegen den armen Feigenbaum verfluchen müssen? Oder sollte das etwas ganz anderes bedeuten, und er hat hier nur die “Gelegenheit” für eine weitere Lektion über “Gebet” genutzt? Die Geschichte steht übrigens im Markusevangelium, im Kapitel 20!

Was kann der Feigenbaum denn dafür, dass Jesus in verflucht hat? In gängigen Bibelkommentaren liest man folgende Antwort: Feigen trugen bereits im Frühling so genannte “Vorfrüchte”, die man, wenn man hungrig war, auch essen konnte (angeblich waren sie aber nicht besonders lecker). Wenn ein Feigenbaum KEINE Vorfrüchte trug, konnte man auch später keine Feigen ernten. Soweit – so klar. Der Baum würde also in dieser Saison ganz bestimmt keine “Früchte” tragen. In der Bibel steht der Feigenbaum fast immer als Symbol für das “Gottesvolk”, für das Volk Israel. Jesus kam in Jerusalem an, aber er wusste, was ihn dort erwartet: SEIN Volk, die Menschen, die ihn eigentlich erkennen sollten, nahmen ihn nicht an. Im Gegenteil, sie schlugen ihn sogar ans Kreuz … Jesus fand in SEINEM Volk keine Frucht, sondern nur “Blätter”, nur wertlose “Religiosität”! Der Feigenbaum steht also vermutlich auch hier für Israel – und er selbst kann gar nichts dafür, er war vermutlich nur zur falschen Zeit am falschen Ort! 

Ich weiß nicht, wie es dir geht in deinem Leben – ich selbst fühl mich ja ganz oft mal “unfruchtbar”! Muss ich hier und jetzt ANGST haben, ist dieser Text eine Drohung? Pass auf, lieber Roman, wenn du nicht genug Frucht bringst, DANN … 
Gott sei Dank (im wahrsten Sinn des Wortes) geht es gar nicht darum VIEL Frucht zu bringen. Oder “genug” Frucht! Jesus stimmt hier nicht ein in den Druck der Leistungsgesellschaft, die immer mehr von uns fordert! Er erwartet nicht kiloweise feinste Feigen an dem Baum. Nein, ziemlich sicher hätten ihm kleine, kümmerliche Vorfrüchte, die nicht mal besonders gut schmecken, auch gereicht! Er erwartet von uns nicht große Leistungen, Perfektion oder tonnenweise “Frucht”! Er kennt doch unsere Schwäche, er kennt uns doch ganz genau! Und trotzdem LIEBT er uns unendlich – in der Verbindung mit ihm bringt JEDER von uns Frucht hervor. Vielleicht nicht so große, dicke, saftige Feigen, die wir von uns selbst erwarten würden … sondern ganz kleine “Vorfrüchte”! Aber das ist mehr als genug bei Gott … 

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3 Responses to Was kann der Feigenbaum dafür?

  1. Ferida says:

    Danke 😀

  2. Uta Stöcker says:

    Hallo, ich bin heute erst auf deine Seite gestoßen und finde sie echt super. Ganz bestimmtkomme ich hier öfter vorbei 🙂
    Liebe Grüße
    Uta St.

  3. lara says:

    Mk 11 (und Mt 21) 😉

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