Gottes Vision für seine Kirche (MP3)

So, zwischen Weihnachten und Neujahr ist – wie fast überall – auch hier wenig los! Aber DIESE Predigt liegt mir sehr am Herzen, bin sehr begeistert von dem Thema und empfehle sie euch entweder per MP3 zum Reinhören oder das Skript zum selbst Durchlesen 🙂

Freue mich auch über Feedback!

Skript:

Wir nehmen uns heute nochmal Zeit, um ein bisschen zurückzublicken in das vergangene Jahr. Am Ende jedes Jahres findet man ja überall so „Jahresrückblicke“ in Zeitungen, im Internet, in der Politik – 2013 war ja ein echt vielfältiges Jahr, Frank Stronach trat als neue Lichtgestalt in die österreichische Politik ein um dann schnellstmöglich seinen Rückzug anzukündigen. Zurückgezogen hat sich auch – erstmals in der Geschichte der katholischen Kirche – ein amtierender Papst, wodurch die Bühne frei wurde für Franziskus, den Ersten. Zum ersten, also zum Staatsfeind Nr. 1 der Amerikaner machte sich der NSA-Aufdecker Edward Snowden – ja, genau und Nationalratswahlen waren auch, die muss man aber wohl nicht erwähnen weil großartige Änderungen sind wohl nicht unbedingt zu erwarten. Es ist viel geschehen im Jahr 2013 – ja, und dann gab es da auch noch diese Jahreslosung. Die Jahreslosung, das ist so etwas wie ein „Jahresmotto“ für Christen und Kirchen, die wird jedes Jahr von einer Gruppe von Christen festgelegt. Wir hatten, wie das ja so üblich ist, Anfang des Jahres auch schon eine Predigt darüber. Nun, vielleicht fragt ihr euch jetzt: „Na gut, ja – aber das Jahr ist ja so gut wie gelaufen? Warum also jetzt noch eine Predigt über die Jahreslosung 2013?“ Das ist durchaus eine gute Frage – die Antwort ist aber einfach, erstens, der Vers wird ja weiterhin in der Bibel stehen! Er wird ja nicht, sobald er Jahreslosung war, einfach rausgestrichen und gilt dann nicht mehr für uns! Und zweitens, und das ist der ausschlaggebende Grund: Ich kenne viele Menschen, die sich mit der Jahreslosung 2013 sehr schwergetan haben. Die Mühe hatten, aus diesem Vers etwas für sich heraus zu lesen, an denen die Jahreslosung 2013 einfach spurlos vorüber gegangen ist. Aber wisst ihr was – dieser Vers hat so eine wichtige Botschaft, nicht nur für jeden Einzelnen hier! Sondern für uns, als Kirche im Kino, für unseren Auftrag, unsere Vision hier in der Stadt. In Innsbruck, in Tirol! Schauen wir also gemeinsam diesen Vers an, er steht im Hebräerbrief, ziemlich am Ende der Bibel, im Kapitel 13. Hebräer 13,14, da steht: „Wir haben hier keine bleibende Stadt, sondern die zukünftige suchen wir!“

Dieter Schütz  / pixelio.de

Dieter Schütz / pixelio.de

Wenn wir diese Jahreslosung so hören, dann denkt sich der eine oder andere vielleicht: „Typisch Religion – immer nur vertrösten auf das Jenseits“! Und tatsächlich wirkt das auf den ersten Blick so, die „Stadt hier“, also unser Leben hier, diese Welt, all das ist ja „nicht bleibend“, es ist vergänglich, wird irgendwann einfach nicht mehr sein. Und was vergänglich ist, was eben nicht bestehen bleibt, das hat keinen Wert, oder? Wenn ich mir ein Auto kaufe, das sofort kaputt geht, dann war das wohl Schrott! Das Geld nicht wert, ein Reinfall! Und wenn ich mir eine neue Hose kaufe, die sofort ein Loch hat, dann ärgere ich mich darüber, die hätte ich mal lieber nicht kaufen sollen! Da wurde ich irgendwie reingelegt! Und so denken wir dann, dieses Leben hier, das ist ja vergänglich und darum nichts wert! Das ist ja nur eine „Zwischenstation“, das muss man halt irgendwie aushalten. Augen zu und durch, denn eigentlich fängt das Leben für uns Christen ja erst mit dem Tod an! Erst „im Himmel“, irgendwann in der Zukunft, im Jenseits, da geht es dann richtig los, da spielt die Musi, da geht die Post ab, DARAUF kommt es an!

Und irgendwie bekommt man dann fast ein schlechtes Gewissen, wenn ich mir dann denke: „Ja, aber – ähm – mir gefällt es hier doch ganz gut! Ich lebe ja GERN in dieser Welt“! Darf man das als Christ denken? Sollten wir uns nicht alle  total auf den Tod freuen, wenn wir endlich diese „vergängliche Welt“ hinter uns gelassen haben? Vielleicht sollten wir doch, bevor wir hier eine vorschnelle Meinung bilden, ein zweites Mal hinschauen. Vielleicht stellen wir dann überrascht fest, dass es ja um etwas ganz anderes geht …

Die Jahreslosung beginnt nämlich mit einem kleinen Wort, dass wir, als wir es zum ersten Mal gelesen haben, ganz bewusst weggelassen haben! Es ist ein Wort, auf das wir beim Bibellesen immer wieder besonders achten sollten, wo wir genauer hinschauen sollten, um den Sinn einer Stelle zu verstehen. Der Vers in Hebräer 13,14 heißt nämlich vollständig: „DENN wir haben hier keine bleibende Stadt, sondern die zukünftige suchen wir“! Der Vers wird eingeleitet mit einem „DENN“ und das bedeutet für uns, wir sollten in die Verse davor schauen, um zu erkennen, was der Autor hier mein. Ich lese also ab Vers 10, Hebräer Kapitel 13, die Verse 10 bis 14:

10 Wir haben einen Altar, an dem die Priester des irdischen Heiligtums keinen Anteil haben. 11 Denn die Körper der Tiere, deren Blut vom Hohen Priester zur Sühnung der Sünden ins innere Heiligtum hineingebracht wird, werden ja draußen vor dem Lager verbrannt. 12 Darum hat auch Jesus außerhalb der Stadtmauern gelitten, um das Volk durch sein Blut zu heiligen.

13 Lasst uns also zu ihm hinausgehen, vor das Lager, und die Schande tragen, die er getragen hat!

14 Denn wir haben hier keine bleibende Stadt, sondern die zukünftige suchen wir.

In den ersten drei Versen tauchen wir ganz tief ein in die Kultur und die Umwelt der damaligen Zeit. Die ersten Christen sahen sich ja mit einer Unzahl an religiösen Systemen konfrontiert, sie selbst kamen ja zu einem großen Teil aus dem Judentum – wenn wir hier also lesen von einem „Altar“, dem „irdischen Heiligtum“, dem Blut der Tiere zur Sühnung der Schuld und so weiter, dann war das für die ersten Leser ziemlich klar, was damit gemeint ist. Ich werde das für uns, die wir nicht so einen Bezug zum Judentum haben, ein bisschen erklären: Ein Altar, das ist ein Ort, an dem eine Begegnung von uns Menschen mit Gott stattfinden kann – Rieneckers Lexikon zur Bibel schreibt: „Ein Altar ist […] eine Stätte der kultischen Begegnung mit Gott“. Dieser Altar war für die Juden der Ort, an dem für Gott Opfer gebracht wurden. Diese Opfer hatten verschiedene Bedeutungen, ganz zentral war aber, dass dadurch die menschliche Schuld zugedeckt wurde. Das war also das religiöse System der damaligen Zeit. Ein System, dass ja Gott selbst eingesetzt hat, und das deswegen nicht schlecht war. Aber, und jetzt wird es spannend – dann kam Jesus. Jesus, von dem wir ja auch sagen, er ist das „ultimative Opfer“, das stellvertretend für unsere Schuld gestorben ist. Aber Jesus wurde nicht am Altar geopfert, dort, wo man ein so ein Opfer erwarten würde! Er starb außerhalb des Lagers, vor den Toren der Stadt, unter Verbrechern! Und jetzt zeigt uns der Text eine spannende Parallele auf: Auch im Opferkult der Juden gab es etwas, was vor dem Lager verbrannt wurde: Am großen Versöhnungstag wurde ein Stier geschlachtet, der am Ende der Zeremonie vollständig VOR DEM LAGER verbrannt werden musste! Nach dem Opferritual wurde das Tier zum Abschluss vollständig vor der Stadt verbrannt! Jesus als Opfer war nicht Teil des alten religiösen Systems, er „vollendete es“ indem die Versöhnung Gottes mit uns Menschen abgeschlossen wurde. Das war für die Menschen damals etwas vollkommen Neues: Wir müssen nun nicht mehr immer wieder Opfer bringen, um unsere Schuld zuzudecken, nein: Durch den Tod von Jesus am Kreuz sind wir REINGEWASCHEN von der Schuld. Uns ist VERGEBEN – der Text spricht hier davon, dass wir dadurch „heilig“ gemacht werden, wenn wir zu diesem „neuen Altar“, zu Jesus am Kreuz kommen!

Während Jesus vor den Toren der Stadt gestorben ist, wurde IN der Stadt Passah gefeiert, zur Erinnerung daran, dass Gott sein Volk aus der Sklaverei in Ägypten geführt hat – dort starb ein Lamm, nicht um Schuld zu bezahlen, sondern um Befreiung aus der Sklaverei und Rettung vor dem Tod zu erwirken. Und deswegen wird Jesus auch „das Lamm Gottes“ genannt – immer wieder finden wir diese Bezeichnung in der Bibel. Ein Lamm, das geopfert wird, um uns FREI zu machen, frei von allen religiösen Systemen, frei von dem ständigen Kreislauf von Sünde und Sühnopfer, frei von aller Schuld! Das ist ein totaler Paradigmenwechsel, wir sind raus aus diesem alten System!  Es gibt keinen Tempel mehr, keine „heilige Stadt Jerusalem“ als religiöse Hauptstadt, keine Opfer, um Schuld zuzudecken! Oder, um es mit den Worten des Hebräerbriefes zu sagen: „Wir haben hier keine bleibende Stadt, kein religiöses System, Gott hat etwas vollkommen Neues geschaffen, nämlich echte FREIHEIT von aller Schuld und Sünde!“ Und das können wir für uns heute in Anspruch nehmen, das gilt auch heute noch! Wenn wir mit all unserer Schuld, unserem Versagen, unseren Fehlern, unseren Schwächen zu Jesus kommen, dann wäscht er alles ab und macht uns vollkommen rein. Das bringt ein völlig neues Selbstbild mit sich, oder? Jemand, der jahrelang von seinem Vater oder seinem Chef oder irgendjemandem gesagt bekommt: „Du bist ein Versager, du schaffst nichts“ – der kann durch den Tod von Jesus sagen: „Das stimmt nicht, ich bin durch Jesus vor Gott angenommen, bin vollkommen gemacht“! Oder wenn wir uns selbst nie genügen, wenn wir in der Perfektionismusfalle festsitzen und es uns selbst nicht rechtmachen können, wie frei macht es dann wenn wir erkennen: „Gott hat ALLES, was nicht perfekt ist an mir abgewaschen und mich rein gemacht!“ Wir können dann die Lügen, die wir oft über uns selbst glauben, als solche erkennen – nicht weil wir so toll sind, weil wir irgendetwas dazu beigetragen haben, sondern weil Jesus als das Lamm Gottes uns freigemacht hat von aller Schuld! Zu Jesus kommen – das bedeutet, einfach zu erkennen: „Ich brauch so einen Retter, einen Erlöser!“ Und dann in einem Gebet Jesus zu bitten: „Herr Jesus, rette du mich! Ich schaffe es nicht, ohne dich! Bitte mach mich frei!“ Und dann dürfen wir das für uns in Anspruch nehmen, dann gilt das für uns! Das ist das Evangelium, das ist der Kern der Kirche Gottes! Der ganze Hebräerbrief dreht sich darum, dass das alte, das religiöse System nicht mehr gilt! Die Kirche Gottes ist eine Kirche ohne so ein religiöses System, wir sind freigemacht davon!

Aber was heißt das nun konkret, bedeutet das, es gibt nun keine Regeln mehr und wir dürfen tun, was wir wollen? Wir können es uns bequem einrichten und uns nicht um die Anliegen von Gott scheren? Nein, das natürlich nicht – im Vers 13 steht, was die Kirche in Gottes Augen ausmacht und charakterisiert. Ich lese Vers 13 noch einmal:

13 Lasst uns also zu ihm hinausgehen, vor das Lager, und die Schande tragen, die er getragen hat!

Lasst uns zu ihm hinausgehen – an den Ort, wo Jesus sein Leben hingegeben hat! Die Schande tragen“ bedeutet einerseits, auch mal blöd angeredet zu werden wegen dem Glauben. Auch einmal komische Blicke zu ernten, weil man von Gott erzählt. Aber auch noch viel mehr, mit Jesus zu leiden, kann heißen, selbst verfolgt und unterdrückt zu werden. Für Millionen von Christen auf der ganzen Welt ist das Realität – einige Zeitungen haben um Weihnachten herum große Artikel geschrieben, dass die Christenverfolgung 2013 wieder einmal einen traurigen Rekordstand erreicht hat! Der ORF schrieb gestern im Internet von mindestens 70.000 toten Christen, die wegen ihres Glaubens getötet wurden! Aber dieses „mit Jesus hinausgehen“ bedeutet noch mehr! Es bedeutet, mit Jesus dort zu sein wo er sein Leben für andre hingegeben hat! Für verlorene Menschen, für die, die am Rande der Gesellschaft stehen, für die Einsamen, die Traurigen, für alle diejenigen, die eine Sehnsucht nach Gott haben! Die Kirche Gottes steht da nicht abseits, sondern wir sind mittendrin im Geschehen – Bonhoeffer hat über diese Verse nachgedacht als er sagte: „Eine Kirche, die Jesus nachfolgt, die dorthin geht, wo er selbst sich hingegeben hat für andere, so eine Kirche muss auch eine Kirche für andere sein! Oder es ist gar keine Kirche!“

Das bedeutet nicht, dass sich eine Kirche in Aktivitäten und Programme für Nachbarschaftshilfe, Vorträgen, Straßeneinsätzen und so weiter verlieren sollte! Das bedeutet auch nicht, dass sich die Kirche nicht auch um die Nöte und Sorgen der Menschen INNERHALB der Kirche kümmern darf – oder soll! Damit würden wir Bonhoeffer nicht gerecht werden, und damit würden wir auch der Bibel nicht gerecht werden! Der Hebräerbrief sagt ja auch schon am Anfang von diesem 13. Kapitel: „Schaut auch aufeinander! Habt einander lieb, helft einander – einer soll des anderen Lasten tragen! Die Gemeinschaft in der Kirche soll gekennzeichnet sein durch fürsorgliche Liebe zueinander! Ja, in der Bibel steht sogar, dass andere Menschen genau DARAN erkennen sollen, dass wir zu Gott gehören! Es geht also nicht darum, entweder „nach außen“ zu gehen, Kirche für andere zu sein, ODER eben auf die eigenen Nöte zu schauen. Sondern wir sind GEMEINSAM dazu berufen, Kirche für andere zu sein – nicht nur die visionären Typen, nicht nur manche besonders begabte oder extrovertierte Leute aus der Gemeinde!

Wir sagen immer wieder mal: „Als Kirche im Kino wollen wir der Stadt und den Menschen dienen“ – das ist genau das, was die Bibel hier meint! Sich für andere hingeben! Aber jetzt muss ich mal kurz dazu was sagen, was ich meine, wenn ich von „die Kirche“ rede. Denn mit „Kirche“ ist in der Bibel ja niemals eine „Institution“ oder ein Verein oder ein Gebäude oder sonst was gemeint! Kirche ist laut Bibel da, wo Christen zusammenkommen. Kirche besteht nicht aus Mauern oder irgendwelchen Gebäuden – sondern aus Menschen! Wenn ich sage, die Kirche Gottes ist eine Kirche für andere – dann ist das ein gewaltiger Auftrag an jeden Einzelnen! Nicht nur hier sondern an vielen Stellen der Bibel werden WIR aufgefordert, uns hinzugeben für andere. Wie Jesus, der sein Leben für uns gegeben hat! Diese Herausforderung gilt für dich persönlich, für eure Kleingruppe, wenn ihr euch regelmäßig trefft, und natürlich für uns als Kirche im Kino!

Und jetzt kommt dann unser „Schlüsselwort“, dass die Jahreslosung 2013 einleitet. Die „bleibende Stadt“ von dem die Bibel hier spricht, die wir nicht haben, das ist das religiöse System, der Tempelkult, die Stadt Jerusalem als Zentrum des religiösen Lebens! Da wir dank Jesus frei sind von diesen Regeln und Strukturen, frei sind von Schuld und Versagen, sollen wir nun mit ihm hinausgehen, sein Leid mittragen und uns selbst für andere hingeben – DENN wir haben keine bleibende Stadt, sondern die zukünftige suchen wir! Das ist der Grund, die Motivation, der Antrieb für uns, das zu tun!

Die „zukünftige Stadt“ hat erstmal gar nicht so viel mit der Zukunft zu tun! Die Bibel spricht hier von einem neuen Jerusalem, diese Beschreibung finden wir in einem anderen Teil der Bibel, der Offenbarung. Dieses neue Jerusalem ist ein wunderbares Bild dafür, das Gott vollkommen gegenwärtig sein wird. Dass er alles gut machen wird, dass er alle Tränen abwischen wird von den Augen, dass Leid und Tod nicht mehr sind, dass es keine Hilfeschreie mehr geben wird, keinen Krieg, keine Hungersnöte, keine Naturkatastrophen und so weiter. Die Bibel beschreibt das mit „dem Reich Gottes“, dass dann vollkommen da sein wird!

Aber dieses Reich Gottes fängt nicht erst in der Zukunft an! Wenn Jesus irgendwo auftrat, was  tat er immer? Na gut, er heilte Menschen, das machte er auch ganz oft. Aber immer wieder redete er über das „Reich Gottes“, dass es nahe ist, ja mehr noch, dass es JETZT beginnt, dass es anbricht! Dieses Reich Gottes, wo wir gerade gehört haben wie wunderbar es dort sein wird, das hat damals begonnen. Als Christen, ja, als Kirche SEHNEN wir uns nach diesem Reich Gottes, oder? Wir wünschen uns doch eine Welt in der es kein Leid, keine Not und kein Unrecht mehr gibt! Aber das bedeutet nicht, dass wir eine Todessehnsucht haben, sondern dass wir uns danach sehnen, dass das Reich Gottes SICHTBAR wird in dieser Welt! Und genau das ist das, worum es geht, wenn wir mit Jesus hinausgehen und uns hingeben für andere, wenn wir für andere da sind! All die Aufforderungen in der Bibel die Guten Taten zu tun, die Gott schon vorbereitet hat, Menschen zu helfen, Not zu lindern, sich sozial zu engagieren, all das hat NICHT das Ziel, dass wir uns damit etwas bei Gott verdienen! Wir bekommen dadurch keine Pluspunkte im Himmel, keinen einzigen! Das macht dich nicht zu einem besseren Christen! Darum geht es auch gar nicht – es geht darum, dass Gottes Reich sichtbar wird in unserer Welt! Und mal ehrlich – ist es nicht das, was wir uns wünschen? Wonach wir uns sehnen? Ganz egal an welche Situationen du jetzt denkst – ob es um deine Familie geht, in der immer so viel Unfrieden und Streit herrscht, wo man schon seit Jahren nicht mehr miteinander reden kann. Oder ob du an deinen Arbeitsplatz denkst, wo gemobbt wird, wo Unrecht geschieht, wo Dinge einfach falsch laufen. Oder ob du globaler denkst, ob du schockiert bist wegen der Zunahme des Menschenhandels und der Prostitution – ja, auch in unserer Stadt, auch in Innsbruck ist das ein Thema! Überall dort sehnen wir uns doch danach, dass Gottes Reich sichtbar wird, oder? Dass Familien in Frieden miteinander leben und zusammenhalten, dass meine Arbeit keine Qual ist, sondern ich dort meine gottgegebenen Talente und Gaben einsetzen kann, dass sich unsere Gesellschaft verändert zum Positiven!  Das ist die „zukünftige Stadt“, nach der wir uns sehnen, nach der wir uns austrecken sollen! Dafür lohnt es sich zu kämpfen und sich selbst hinzugeben. Als einzelner – aber auch als ganze Kirche! Dieses wunderbare „Reich Gottes“, das ist die zukünftige Stadt, die durch uns sichtbar wird! Genial, oder? Und vielleicht denkst du jetzt: „Klar, das sind schöne Worte, aber mal ehrlich: Wir können ja doch nichts ausrichten, wir können unsere Familien nicht ändern, wir können unsere Arbeitskollegen, unseren Chef nicht ändern, wir können die Gesellschaft nicht ändern!“ Ja, das stimmt, wir können das nicht! Aber Gott kann, ER kann diese Veränderung schenken! Wir müssen nicht die Welt retten, das hat Jesus schon getan – aber er will durch uns wirken, dass diese Veränderung sichtbar und erfahrbar wird!

Vielleicht denkst du nun, ja, theoretisch mag das gehen, aber praktisch, nein, ich kann mir nicht vorstellen wir das funktionieren kann. Ich möchte euch ein Beispiel geben, wie durch das Evangelium, durch Christen, die sich so nach dem Reich Gottes sehnen, dass sie sich selbst dafür hingeben, alles tun, damit es sichtbar wird, schon jetzt, eine ganze Stadt verändert wird. Es geht um die Stadt New York – in den 70ger Jahren berüchtigt für die überbordende Kriminalität, den Verfall der Moral, den Bandenkriegen und so weiter. Man würde nicht auf die Idee kommen, nach New York auf Urlaub zu fahren, weil man dort tatsächlich Angst um sein Leben hätte. Aber in den folgenden Jahren und Jahrzehnten wirkte Gott dort in dieser Stadt, Menschen kamen zu Jesus, ließen die „alte Stadt“, ihre religiösen Systeme, New Age, Selbstfindung und was weiß ich noch was hinter sich – gewaltige christliche Bewegungen entstanden, so zum Beispiel auch die „Reedemer Church“ mitten in Manhatten, der Kirchengemeinde von Pastor Tim Keller, wo tausende zum Gottesdienst kommen! Und die Stadt hat sich verändert, ich habe in der Vorbereitung für diese Predigt eine Kriminalitätsstatistik gesehen, gab es 1988 noch knapp 800.000 Anzeigen / pro Jahr sank diese Zahl in den folgenden 15 Jahren auf ca. 200.000 Anzeigen – sie sank also um ein Viertel. Bemerkenswert dabei ist, dass die Kriminalität INSGESAMT in den großen Städten der USA eher gleichblieb oder zunahm. Jemand, der New York sowohl in den 80ger Jahren als auch 2010 einmal besucht hatte, der traute seinen Augen kaum: Aus einem Viertel, wo vor 30 Jahren Sexshop neben Sexshop zu finden war, ist heute ein „anständiges“ Wohngebiet geworden! Da, wo die Kirche – und damit die Christen – mit Jesus „hinausgehen“ und sich hingeben und Kirche für andere sind, da wird Gottes Reich sichtbar.

Und ihr Lieben, meine Sehnsucht gilt hier auch unserer Stadt – und unserem Land! Ich bete dafür, dass HIER mehr von Gottes Reich sichtbar wird! Ich sehne mich danach, dass die zukünftige Stadt, diese wunderbare neue Welt sichtbar wird in Innsbruck! Wisst ihr, warum ich davon überzeugt bin, dass das Wirklichkeit werden kann. Auch in Innsbruck? Weil es GOTT ist, der diese Veränderung bewirkt – wenn wir die letzten Seiten der Bibel aufschlagen, dann sehen wir: Gott WIRD eines Tages überall sein Reich aufrichten. Auch in Österreich, auch in Innsbruck! Dann wird diese neue Welt sichtbar werden!  Aber heute, morgen, auch im kommenden Jahr – solange bis Gott selbst vor den Vorhang tritt – baut Gott seine neue Welt durch uns! Das bedeutet nicht, dass wir uns in endlose Aktivitäten versticken müssen, ich sag es nochmal: Wir müssen – und können – die Welt nicht retten, das hat Jesus schon getan! Aber diese Sehnsucht nach der neuen Welt, der zukünftigen Stadt, die treibt mich immer wieder neu ins Gebet! Dafür, dass Gottes Reich kommt – wie wir es ja auch im Vaterunser beten: „Dein Reich komme“ heißt es da! Das ist mein Gebet für diese Stadt, für dieses Land, das ich jeden Tag beten möchte! Immer wieder, weil ich weiß, dass Gott dieses Gebet erhört! Und manchmal sagt Gott dann auch zu uns: „Nun macht mal – ran an die Arbeit! Ich möchte durch dich zu den Prostituierten sprechen, durch dich zu den Einsamen und Verlassenen gehen, durch dich Not und Armut lindern! Ich möchte durch euch in dieser Stadt wirken! Nur Mut – ich bin bei dir!“

Advertisements
This entry was posted in Predigtgedanken and tagged , , , , , . Bookmark the permalink.

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out / Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out / Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out / Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out / Change )

Connecting to %s