Stand up … aber wofür?

Protest,protestieren,demo,demonstration

Initiative Echte Soziale Marktwirtschaft (IESM) / pixelio.de

In diesen Tagen berichten alle Nachrichten vom “Marsch der Millionen” in Kiew. Davor war es der “arabische Frühling” der Millionen Menschen auf die Straße getrieben hat, um zu demonstrieren. Und auch sonst hört man immer wieder davon, dass Zehntausende aufstehen und der Obrigkeit, dem Tyrannen oder der Unterdrückung die Stirn bieten.

Ich habe versucht, mir vorzustellen, was wohl in Mitteleuropa passieren müsste, damit in Wien hunderttausende auf die Straße gehen und am Heldenplatz ihre Stimme erheben um gegen Unrecht zu protestieren! Es ist nicht leicht, sich so etwas in Österreich vorzustellen. Und auch nicht im “modernen westlichen Europa”. Nicht dass es nicht genug Unrecht geben würde. An Europas Grenzen wird eine unsichtbare Mauer errichtet, an der Menschen sterben! Abtreibung, bis hin zur Vernichtung “unwerten”, also behinderten Lebens, bis zur Geburt wird immer selbstverständlicher! Aktive Sterbehilfe wird salonfähig gemacht – eine wunderbare Möglichkeit, dass man die “Alten und Schwachen” ganz freiwillig in den selbstgewählten und gesetzlich unterstützten Suizid treibt! Obdachlose und Bettler werden – anstatt dass man sie unterstützt und ihnen auf die Beine hilft – kriminalisiert, vertrieben und ausgegrenzt! Sklaverei und Zwangsarbeit im “Rotlichtmilieu” ist selbstverständlich und weit verbreitet – trotzdem versuchen manche Kreise immer noch, Prostitution als “ehrbaren Beruf” zu etablieren!

Homeless lying on the cardboard on the gorund

© Photographee.eu – Fotolia.com

Unrecht gäbe es genug! Gerade in der Weihnachtszeit sollten wir uns nicht blenden lassen von den schönen Lichtern, den Kerzen und wunderbaren Gerüchen. Weihnachten bedeutet, dass der Retter und Erlöser gerade zu den Ärmsten, zu den Unterdrückten, zu den Ausgestoßenen, zu den Verlorenen gekommen ist! Aber es steht niemand auf, um Partei für diese Leute zu ergreifen. Keine Massen sind auf der Straße, um gegen das Unrecht zu protestieren. Keine Welle des Protestes fegt über das Land … warum auch? In einer liberalen Gesellschaft sollte doch wohl alles einen Platz haben – oder etwa nicht?

Ein paar Zeilen, die ursprünglich gegen den Nationalsozialismus und das kollektive Wegschauen von weiten Teilen der Bevölkerung geschrieben wurden, kommen mir in den Sinn. Ich möchte sie für die heutige Zeit anpassen …

Als sie angefangen haben, Babys im Mutterleib zu töten – habe ich geschwiegen!
Ich bin ja kein ungeborenes Baby!

Als sie angefangen haben, behinderte Kinder bis kurz vor der Geburt zu töten – habe ich geschwiegen!
Ich bin ja kein behindertes Kind!

Als sie angefangen haben, psychisch Kranken und Alten die Euthanasie einzureden (= Sterbehilfe) – habe ich geschwiegen!
Ich bin ja weder alt noch psychisch krank!

Als sie dann Flüchtlinge sterben haben lassen – habe ich geschwiegen!
Ich bin ja kein Flüchtling!

Als sie dann zugelassen haben, das Sklaverei und Menschenhandel bei Prostituierten zunimmt – habe ich geschwiegen!
Ich bin ja keine Prostituierte!

Als sie dann Bettler weggesperrt und kriminalisiert haben – habe ich geschwiegen!
Ich bin ja kein Bettler!

Und als sie dann kamen, um MICH zu holen –
da war keiner mehr da, der was hätte sagen können!!!

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2 Responses to Stand up … aber wofür?

  1. ilona-rennt says:

    Ich frag mich oft und auch selbst, wann wird es Zeit auf die Straße zu gehen. Wann ist die Grenze überschritten. Warum gehen wir nicht auf die Straße?

    Wie dein Zitat schon sagt, wir sind alle nicht genug betroffen. Auf unseren gepolsterten Hintern sitzt es sich zu gut. Trotzdem bin ich der Meinung, dass es noch viele weitere Methoden gibt auf Ungerechtigkeit aufmerksam zu machen sowie dagegen vorzugehen. Die Straße ist eine von vielen Möglichkeiten.

    Ich selbst bin kein Demogänger, Trotzdem versuche ich gegen Ungerechtigkeit vorzugehen. Aufklären, hinweisen und darüber sprechen. Es mag sein, dass sich dadurch nur wenig verändert. Doch lieber wenig als gar nichts.

  2. Pingback: Stand up … aber wofür? | theolounge.de

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