Let´s talk about SEX!

Quelle: Wikipedia.at Foto: Julica da Costa

Quelle: Wikipedia.at
Foto: Julica da Costa

Zu Beginn eine Preisfrage: Was gilt landläufig als das “älteste Gewerbe der Welt”? – Genau, die Prostitution, das “horizontale Gewerbe”, das Geschäft mit der Lust, die Arbeit als Freudenmädchen oder Lustmädchen, die “käufliche Liebe” – noch viele andere mehr oder weniger direkte Bezeichnungen kursieren landauf, landab. Alle meinen dasselbe und doch spricht niemand darüber. Der Berufsstand der Prostituierten, so scheint es, hat es in einigen Jahrtausenden der Menschheitsgeschichte noch nicht zu einem ehrbaren Handwerk geschafft. Und das trotz einiger Bemühungen, zuletzt versuchte es die rot-grüne Regierung in Deutschland das Rotlichtgewerbe aus der Schmuddelecke herauszuholen. Da wurden rechtliche Rahmenbedingungen formuliert, Hygienestandards definiert und Rechtssicherheit zwischen Freiern und den Prostituierten geschaffen. Prostitution, so der allgemeine Tenor, sei ein Dienstleistungssektor wie jeder andere auch und sollte als solcher behandelt werden. Das ist die eine Seite – lt. gerade in der aktuellen Profil-Ausgabe veröffentlichter Zahlen hat sich die Situation für SexarbeiterInnen (ja, auch hier muss man gendern, gibt ja auch die sogenannten “Stricher”, Lustknaben, etc.) dadurch jedoch nicht gebessert. Und auch heute noch wäre wohl keine Eltern erfreut, wenn ihre Tochter eines Tages stolz verkündet: “Sie wird Prostituierte …”

In diesen Tagen schlägt das Pendel ja auch wieder in eine andere Richtung – auf politischer Ebene wird seit einiger Zeit über ein Verbot der Prostitution geredet. Nach schwedischem Vorbild sollen dabei allerdings nicht die Frauen, die ihre Dienste anbieten, gestraft werden – sondern ihre Freier, die sich mittels finanzieller Vergütung die diversen amourösen Dienste der Damen (bzw. Herren) sichern. Und diese Diskussion wird auch Österreich erreichen … Es scheint, als ob sich eine Art “unfreiwillige Allianz” zwischen ziemlich gegensätzlichen Lagern bildet: Auf der einen Seite wird die Prostitution traditioneller weise von ernsthaften Christen und Kirchen abgelehnt – die Sexualität ist ein viel zu wertvolles Gut und eine besondere Gabe Gottes, die nicht käuflich am Markt zur Verfügung stehen dürfe. Die Bibel bezeichnet dererlei Praktiken klar mit “Unzucht”, “Hurerei” und Ehebruch. Hier scheint es tatsächlich kaum Intepretationsspielraum zu geben um zu einem anderen Schluss zu kommen. Aber in der aktuellen Debatte stellen sich ultraradikale Feministinnen auf die Seite des sonst so massiv abgelehnten Kirchenvolkes: Alice Schwarzer, deutsche Kampf-Feministin der ersten Stunde, lehnt die Prostitution als frauenverachtend und chauvinistisch ab. Der weibliche Körper, so Schwarzer, sei keine Ware, die am Markt feilgeboten werden dürfe! Durch dieses Geschäft werden Frauen reduziert auf Titten – Verzeihung, Busen, Po und Beine (ihr versteht, was ich meine?). Beide Lager sind bei diesem Thema ausnahmsweise auf derselben Seite. (Alice Schwarzer zum Thema in ihrem Buch “Prostitution – ein deutscher Skandal”)

Aber was soll man nun von diesem Vorschlag halten – jetzt mal ganz abseits vom christlichen Standpunkt. Ist das Verbot der Prostitution wirklich ein gangbarer Weg? Werden damit Probleme beseitigt – oder neue Herausforderungen geschaffen? Ohne Frage GIBT es viele Praktiken im Rotlichtmilieu, die klar abzulehnen sind. Menschenhandel, Sexsklaverei, Nötigung und Gewalt sind ebenso Realität wie deren “harmlosere” Vorstufen: Frauen, die durch soziale oder finanzielle Not in die Prostitution getrieben werden, unter falschen Versprechen und Vorspiegelung falscher Tatsachen gelockt werden und irgendwann tief drin in einem Geschäft sind, wo ein Ausstieg sehr schwer möglich ist! Gegen all diese Dinge könnte man vermutlich viel restriktiver und effizienter vorgehen, wenn Prostitution allgemein verboten ist! Die wenigsten Menschen würden sagen, Prostitution ist “per se” gut und zu befürworten (spätestens wenn man an die eigenen Kinder denkt)! Aber oft hört man das Argument, es sei halt “notwendig”! Denn bevor Männer andere Frauen vergewaltigen, sollten sie doch bitte in ein Bordell gehen. Und außerdem gäbe es ja auch Frauen, die das “gerne” tun, aus freien Stücken und mit viel Freude. Ich gebe es ganz ehrlich zu: Ich tue mich mit dieser Argumentation sehr schwer. Denn wenn man das an die Spitze treibt, dann werden Männer zu notgeilen und triebgesteuerten Wesen, die, so sie nicht rechtzeitig und regelmäßig zu ausreichender sexueller Betätigung kommen, vermutlich explodieren … Frauen hingegen werden zumindest zu potentiellen sexhungrigen Nymphomaninnen, deren größte Freude es ist, für Männer die Beine breit zu machen! Seht mir diese Zuspitzung der Formulierung bitte nach – doch letztendlich läuft es irgendwie auf dieses Männer- und Frauenbild hinaus!

Fotografie Brinckheger  / pixelio.de

Fotografie Brinckheger / pixelio.de

Ganz zu schweigen von der zugrunde liegenden Vorstellung von Sexualität. Sex ist kein “Grundbedürfnis”, das ebenso wie Hunger oder Durst einfach so gestillt gehört (Sex, also der Akt an sich, im Gegensatz zur Sexualität – als Menschen sind wir sexuelle Wesen, das bestreite ich nicht). Damit wird der Geschlechtsakt banalisiert und trivialisiert – ich bin vom Gegenteil überzeugt, Sex ist ein wunderbares Geschenk Gottes. Er ist ja immerhin der ERFINDER der Sexualität. Manchmal haben wir die Vorstellung, Gott findet diese besondere Vereinigung von Mann und Frau vielleicht schmutzig, “sündhaft” oder abzulehnen. Und doch hat ER Mann und Frau so geschaffen, damit sie auch körperlich zueinander passen. Es war nicht so, dass Gott bei Adam und Eva verschämt weggeschaut hat, als sie Sex hatten und sich dachte: “Ach du meine Güte, was machen DIE beiden denn da?? Furchtbar …

Ich will hier niemandem sagen, was er in dieser Frage zu denken oder zu vertreten hat – aber es würde mich freuen, wenn ich mit diesem Thema vielleicht zum Nachdenken anregen konnte. Unzählige Christen beten seit vielen Jahren dafür, dass Frauen FREI werden, die unfreiwillig in der Prostitution sind. Vielleicht ist diese politische Bewegung eine Antwort auf diese Gebete!

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5 Responses to Let´s talk about SEX!

  1. Guter Artikel 🙂 Schwieriges Thema ganz klar- Natürlich wäre ein Verbot von Prostitution zum Schutz der Frauen Sinnvoll, allerdings hat Schweden mit Abstand auch die höchste Vergewaltigungsrate der EU- das Problem wird also nur verlagert- das gibt dann schon ein wenig zu denken……

    • Theolunke says:

      Naja – ich denke auch darüber nach. Aber das Argument: “Wenn es keine Prostituierten gibt, dann werden die Männer halt zu Vergewaltigern” will ich nicht gelten lassen. Denn das wirft ein ziemlich übles Bild auf uns Männer … wer weiß, vielleicht stimmt das ja …

      Die Zahlen aus Schweden kenne ich nicht, die Strafen für Freier sind – soweit ich weiß – erst kürzlich beschlossen, man müsste wohl schauen ob die Zahlen in dieser Zeit dann signifikant nach oben gehen würden …

      Wie im Artikel angesprochen, es gibt wohl keine “einfache” Lösung … aber einfach nicht darüber reden ist definitiv schlecht. Denk ich …

  2. raschelmaschine says:

    Wirklich interessanter und guter Artikel und ohne moralinsaures Gedöhns geschrieben!
    Das mit den Vergewaltigungszahlen ist allerdings schwierig. Denn die Vergewaltigungen selbst können ja nicht gezählt werden, sondern nur die Anzeigen und Verurteilungen.
    Möglicherweise erhöht sich in Schweden ja auch nur die Aurfmerksamkeit für das Problem, wordurch auch mehr Frauen sich zu einer Anzeige durchringen.
    Und wer weiß, vielleicht wurden auch früher die Prostituierten vergewaltigt (ja, das geht), die das aber nicht anzeigten, weil sie ja Prostituierte waren (mal abgesehen von den wirklich “anständigen” und gut organisierten, die durchaus auch Vergewaltigungen als solche bezeichnen und diese anzeigen).
    Und falls diese Zahlen doch stimmen, dann zeigen sie meiner Meinung eher ein fragwürdiges Verständnis von und eine schlechte Erziehung bei der Sexualität an. Es gibt einen Haufen Männer, die niemals eine Beziehung führen oder alle Jubeljahre mal Sex haben, die aber niemanden vergewaltigen…
    Ich kann und will jedenfalls nicht glauben, dass ein gesunder, ziviliserter und anständiger Mann sich so schlecht im Griff hat, dass er einfach mal zugreift, wenn der Druck zu groß wird. Dann könnte man Prostiution ja auch einfach von der Krankenkasse abdecken lassen 😉

    • Paul says:

      Die Idee mit der Krankenkasse ist interessant, weil sie als Denkanstoß wirkt und eine Facette an die Oberfläche bringt, die bei diesem Thema selten angesprochen wird. Prostitution ist nur oberflächlich ein Thema, das nur die Sexualität der Frauen betrifft. Denkt man etwas weiter nach, ist es ein gesamtgesellschaftliches Thema, eines das die Sexualität der Männer genauso bzw. das Wesen der Sexualität ganz generell betrifft.

  3. Pingback: Let´s talk about SEX! | theolounge.de

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