Offener Brief an Agnostiker

Liebe/r Agnostiker/in(muss ja alles “gegendert” sein heutzutage …)

lichtkunst.73  / pixelio.de

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Zu Beginn möchte ich festhalten, dass ich mich immer wieder freue mit Menschen von ganz unterschiedlichen Weltanschauungen und Positionen zu diskutieren und auszutauschen. Seien es unterschiedliche theistische Vorstellungen (Theismus = die Behauptung, es gibt so etwas wie “Gott” der als Schöpfer die Ursache für diese Welt ist) oder sei es der Atheismus (= die Feststellung, dass es eben einen solchen Gott als erste Ursache und Schöpfer NICHT gibt). Daneben gibt es durchaus noch bestimmte pantheistische Weltanschauungen (Pantheismus = die Lehre davon, dass alles Gott IST) – aber mit diesen drei großen Positionen hat man, so denke ich, das ganze Spektrum an Möglichkeiten abgedeckt! Und viele Menschen positionieren sich dann irgendwo in diesem Spektrum, prüfen Argumente oder verlassen sich auf ihr Gefühl – je nach Typ. Aber das Wesentliche ist: Sie BEZIEHEN eine Position. Und darum kann man auch vortrefflich diskutieren und argumentieren. Mal mit besseren und manchmal auch mit schlechteren Argumenten.

Was mich nun aber ein kleines bisschen an “Agnostikern” stört, ist die Tatsache, dass ihr eben KEINE Position innerhalb dieser Möglichkeiten bezieht! Also eigentlich scheint es mir, dass ihr überhaupt keine Position einnehmt! Das wirkt auf den ersten Blick natürlich unglaublich ‘weise” – frei nach dem Motto: “Wir wissen ja eh, dass wir es nicht wissen”! Und es wirkt irgendwie “tolerant” und “demütig”! Diejenigen, die sich, manchmal nach langem Überlegen, Prüfen und Suchen schließlich (zumindest vorläufig) festlegen, machen sich damit ja auch angreifbar! Sie verlassen im übertragenen Sinn ihre Deckung und müssen sich nun auf einen Diskurs einlassen. Also, müssen tun sie nicht, aber sie eröffnen die Möglichkeiten dafür. Als Agnostiker kontert man jegliche Diskussion gekonnt mit: “Das mag sein, aber man kann es nicht wissen!” oder “Gutes Argument – aber wissen kann man es nicht”! Oder so ähnlich.

Claudia Brefeld  / pixelio.de

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Nun, warum stört mich das? Weil es – wenn man etwas genauer hinblickt – gar nicht so “tolerant” und “demütig” ist! Manchmal werfen mir Agnostiker vor, ich (und vor allem auch die anderen großen Buchreligionen, also Judentum, Islam und eben Christentum) vertreten so einen bösen Totalitätsanspruch. Wir sagen, wir kennen die Wahrheit, die für alle gelten würde. Aber mal ganz ehrlich: Behauptet das ihr Agnostiker nicht auch irgendwie? Die agnostische Grundthese ist doch: “Es gibt keine Argumente (bzw. keine hinreichenden Argumente) um eine Existenz oder Nichtexistenz eines Gottes anzunehmen“. Das ist allerdings doch eine sehr totalitäre Aussage. Das hat nichts mit “Toleranz” zu tun, denn mit dieser Aussage nennt man all jene, die behaupten, eben solche Argumente zu haben, leichtgläubig, dumm oder Schlimmeres!

Wenn du, lieber Agnostiker, nun allerdings sagst: “Naja, so stark würde ich das gar nicht behaupten! Ich sage ja nur, dass es FÜR MICH keine hinreichenden Argumente gibt, die Existenz oder eben Nicht-Existenz eines solchen Wesens anzuerkennen” dann muss ich doch die Gegenfrage stellen: “Du glaubst also, dass es anderen Menschen sehr wohl möglich sein könnte, solche Argumente zu haben?” Dann scheint es diese ja wohl – zumindest vielleicht – zu geben. Dann könnten solche Argumente ja existieren. Zumindest der Möglichkeit nach. Und dann frage ich dich: Ist der agnostische “Standpunkt” nicht eher ein Ausweichen, eine Möglichkeit, sich eben NICHT mit solchen Fragen auseinanderzusetzen? Denn eines ist klar, sich ernsthaft damit beschäftigen würde Zeit kosten. Und Energie. Und es würde erfordern, dass man eine gewisse “Offenheit” hat, dass man durchaus auch mit der Möglichkeit rechnet, doch irgendwo Argumente zu finden. Man könnte dafür zum Beispiel – für den Anfang – einmal den Koran und die Bibel durchlesen. Mit Gläubigen reden und versuchen, auch einmal dahinter zu blicken! Mal einen “Alphakurs” besuchen, in dem es um die Grundlagen des christlichen Glaubens geht (weiß grad nicht, ob es so etwas für den Islam auch gibt). Mal eine Synagoge besuchen. Diskussionen auf Youtube anschauen. Mal versuchen, “zu beten” um zu schauen, ob da was dran ist! Und dann durchaus “Argumente” prüfen, Hinweise suchen und diese dann auf ihre “Stichhaltigkeit” testen. Es gibt einige Menschen, die sich auf eine solche Suche gemacht haben, und am Ende erkannt haben: “Die Botschaft, …” – aber ich will hier nicht vorgreifen (ich denke, ihr kennt ja meine Meinung 🙂

In diesem Sinne wünsche ich ein fröhliches Suchen, Forschen und Überprüfen

Euer Theolunke

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2 Responses to Offener Brief an Agnostiker

  1. Christiane says:

    “Die Frage „Gibt es einen Gott?“ beantworten Agnostiker dementsprechend nicht mit „Ja“ oder „Nein“, sondern mit „Ich weiß es nicht“,”* Da musste ich ein bisschen schmunzeln, weil selbst bei Personen die “Stellung bezogen” eine klare Antwort manchmal zu bekommen ist schwierig 😉

    Auf wessen Seite stehe ich?

    *Quelle wikipedia.de

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