Buchrezension: “Alles außer Mikado”

Was ist die beste Antwort, wenn ein Mensch mit Parkinson wieder einmal gefragt wird: “Ach, Sie Armer! Was geht denn bei Ihnen noch?” – Die Antwort von Jürgen Mette wäre hier: “Alles – außer Mikado!”

WP_20131115_001Unter diesem Titel schrieb er als Betroffener auch das Buch zum Thema “Leben trotz Parkinson”! Schonungslos ehrlich und trotzdem humorvoll und positiv beschreibt er die Anfänge der Krankheit, als “Herr P.” in sein Leben trat. Er es am Anfang verdrängen wollte, nicht wahrhaben konnte – die ersten Symptome und Vorzeichen nicht erkennen wollte! Parkinson bekommt man nicht über Nacht, es gibt klare Anzeichen, die diese Krankheit vorankündigen! Aber Jürgen Mette will es nicht, ja, kann es nicht realisieren! Er hat noch so viel vor, hat sich vieles in seinem Leben für den Ruhestand aufbewahrt! Er will den Kindern und Enkeln helfen beim Hausbauen, quer über die Alpen wandern, mit dem Fahrrad Europa durchqueren. Aber Parkinson versteht hier keinen Spaß, macht keine Kompromisse! Statt Alpen durchqueren heißt es, mit der Gondel hochfahren und runterschauen. Statt Mountainbiketouren gilt es, die Rentnerstrecke am Fluss mit dem E-Bike zu bewältigen. All das kann einem schon mal den Humor verderben. Das Leben scheint sich zu reduzieren auf medizinische Fachbegriffe, gutmeinende Tipps und Ratschläge – “Herr P.” ist überall und mischt sich überall ein!

Aber Jürgen Mette resigniert nicht – er stellt sich den Herausforderungen. Er weiß, sein Glaube an Gott kann ihn auch hier durchtragen! Unaufdringlich aber konsequent weist er in seinem Buch auf Gott hin, der Gott, der von sich sagt: “Ich bin der Gott, dein Arzt”!

Folgendes schreibt der Autor über die Beweggründe für dieses Buch:

Wie oft habe ich von Bergtouren mit meinen Enkelkindern geträumt. Jetzt bin ich schon froh, wenn ich mit ihnen den Philosophenweg oberhalb des Neckars hochkomme. Meine Zeit läuft weg. Die Zeit meiner Enkelkinder kommt. Darum schreibe ich. Gegen die Resignation.

Ich widme dieses Ermutigungsbuch denen, die mich ermutigt haben, allen voran meiner Familie und meinen Neurologen, aber auch meinen Parki-Genossen!

Als bekennender Christ setze ich die Existenz Gottes voraus und zitiere die Bibel ganz unbekümmert. Mir is allerdings bewusst, dass ich manchen Lesern damit einiges abverlange. Sie sind es aber, die ich bei der Arbeit an diesem Buch vor Augen habe: Offene, kritische und suchende Zeitgenossen. und sie sollen wissen, dass ich nicht beabsichtige, sie zu bekehren. Ich lade die Kritiker des Glaubens bewusst ein, meine christliche Überzeugung skeptisch zu prüfen und mich beim Wort zu nehmen. Ich will gar nicht überzeugen. Aber ich will bezeugen, dass die Krise das Klima ist, in dem der Glaube keimen, wachsen und Früchte tragen kann. Mein Leben ist ohne Vertrauen in die Existenz Gottes nicht denkbar!

Allerdings bin ich überzeugt, dass die Lektüre dieses Buches auch dann Sinn macht, wenn der Leser vom Gegenteil ausgeht, nämlich, dass die Sache mit Gott ein Phantasieprodukt ist!

Dieses Buch ist nicht nur für Menschen mit Parkinson. Sondern meiner Meinung nach für ALLE Menschen, die irgendwann einmal feststellen: “Das Leben ist kein Ponyhof, es ist kein Wunschkonzert”. Die Art von Jürgen Mette, mit dieser gewaltigen Herausforderung klar zu kommen und ehrlich auch über Zeiten der Depression und Mutlosigkeit zu berichten, gibt Hoffnung und Ermutigung. Für Betroffene, Angehörige und Menschen, die andere schwere Lasten zu tragen haben!

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