Ewige Verdammnis oder Verdammt ohne Ewigkeit?

Quelle: Terry U. Weller Pixelio.de

Quelle: Terry U. Weller
Pixelio.de

Spricht die Bibel von einer ewigen Verdammnis, einer „Hölle“ als Ort oder einem Zustand der ewigen, bewussten Strafe für Gottlose – oder doch eher von dem Ende der Existenz für Gottlose nach dem Tod bzw. dem „jüngsten Gericht“? In den Gedanken zu Allerheiligen (Hallo Hölle) habe ich über ein Gleichnis von Jesus geschrieben, in dem schon irgendwie der Gedanke kommen könnte, dass es so etwas wie eine ewige, unabänderbare negative Konsequenz für unsere Gottlosigkeit geben könnte. Aber ist das so? Gibt es die „ewige Verdammnis“ oder gibt es für „Verdammte“ einfach keine Ewigkeit?  Kein „Ewiges Leben“ bei Gott? Diese Überzeugung nennt man übrigens in der Theologie „Annihilismus“ von „annihilate“, englisch für „auslöschen“!

Die Bibel spricht ja nicht nur an dieser EINEN Stelle im Lukasevangelium von so einem Ort, einer „Verdammnis“! Im Folgenden möchte ich nur ein paar Bibelstellen anführen, die das sagen. Dazu sei noch grundlegend gesagt, dass die Bibel meiner Meinung nach normativer Maßstab für den christlichen Glauben sein sollte – darum ist sie ernst zu nehmen und für unsere Betrachtung hier die relevante „Informationsquelle“

Fürchtet euch nicht vor denen, die den Leib töten, die Seele aber nicht töten können, sondern fürchtet euch vor dem, der Seele und Leib ins Verderben der Hölle stürzen kann. (Matthäus 10,28)

Werft den nichtsnutzigen Diener hinaus in die äußerste Finsternis! Dort wird er heulen und mit den Zähnen knirschen. (Matthäus 25,30)

Dann wird er sich auch an die auf der linken Seite wenden und zu ihnen sagen: Weg von mir, ihr Verfluchten, in das ewige Feuer, das für den Teufel und seine Engel bestimmt ist! (Matthäus 25,41)

Und sie werden weggehen und die ewige Strafe erhalten, die Gerechten aber das ewige Leben. (Matthäus 25,46)

Wenn dich deine Hand zum Bösen verführt, dann hau sie ab; es ist besser für dich, verstümmelt in das Leben zu gelangen, als mit zwei Händen in die Hölle zu kommen, in das nie erlöschende Feuer. (Markus 9,43)

Denn ich habe noch fünf Brüder. Er soll sie warnen, damit nicht auch sie an diesen Ort der Qual kommen. (Lukas 16,28)

Der Rauch von ihrer Peinigung steigt auf in alle Ewigkeit und alle, die das Tier und sein Standbild anbeten und die seinen Namen als Kennzeichen annehmen, werden bei Tag und Nacht keine Ruhe haben. (Offenbarung 14,11)

Und der Teufel, ihr Verführer, wurde in den See von brennendem Schwefel geworfen, wo auch das Tier und der falsche Prophet sind. Tag und Nacht werden sie gequält, in alle Ewigkeit. (Offenbarung 20,10 – siehe auch 20,15)

Nun, die biblischen Belege scheinen zumindest eindeutig – und auch die großen christlichen Konfessionen und Gelehrten lesen aus diesen Stellen seit 2000 Jahren, dass die Bibel tatsächlich von so einer Hölle spricht. Aber was ist nun mit dem Argument, dass es sich hier um eine “bildliche” Sprache handelt, die einfach “nur” von einer “Vernichtung” der Seelen ausgeht. Feuer zerstört, und so wie Feuer alles verbrennt und zu Asche zerfallen lässt, so ist auch das Bild des “ewigen Feuers” zu verstehen. Es gibt auch Bibelstellen, die diese Sichtweise unterstützen würden – so schreibt zum Beispiel Petrus in seinem zweiten Brief:

 Der jetzige Himmel aber und die jetzige Erde sind durch dasselbe Wort für das Feuer aufgespart worden. Sie werden bewahrt bis zum Tag des Gerichts, an dem die Gottlosen zugrunde gehen. (2. Petrus 3,7)

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Günter Pichler / pixelio.de

Nun, was sollen wir davon halten? Ich persönlich will hier auf keinen Fall auf Teufel komm raus eine Höllenlehre vertreten. Im Gegenteil, ich wäre heilfroh (jetzt reicht es aber langsam mit den Wortspielen) wenn man mir stichhaltig erklären würde, dass 2000 Jahre Christentum FALSCH lagen, ich selbst die Bibel komplett falsch lese und in Wahrheit alles ganz anders ist! Aber solange ich nicht davon ÜBERZEUGT bin, halte ich es für unverantwortlich, das zu vertreten! Denn wenn auch nur ein Funken einer Chance besteht, dass so eine Bestrafung wie die “Hölle” Realität sein könnte – als ewige Konsequenz der Gottlosigkeit – dann ist es meine Pflicht, Menschen darauf hinzuweisen. Oder?

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10 Responses to Ewige Verdammnis oder Verdammt ohne Ewigkeit?

  1. De Benny says:

    Irrelevant, denn solange sie nicht an Gott glauben, werden sie auch nicht an die Hölle glauben und sobald sie an Gott glauben, kommen sie da eh nicht mehr hin. Was soll es also bringen, den Leuten mit der Hölle Angst zu machen? Ich denke, es ist einfach total der falsche Fokus.

    • Theolunke says:

      Hm – also mein Vater hat vor 35 Jahren DESWEGEN angefangen, über Gott nachzudenken, weil er sich dachte: “Wenn es nur einen ganz geringen Prozentsatz an Wahrscheinlichkeit gibt, dass so etwas wie die Hölle REAL ist – dann muss ich darüber nachdenken! Denn da will ich nicht hin …”

      Aber es stimmt, ich rede mit Menschen viel lieber (und öfter) über Gottes Liebe, über ihn als Schöpfer, darüber, dass er sich SEHNT mit uns Gemeinschaft zu haben … aber manche Menschen, so fürchte ich, brauchen auch “diese” Wahrheit, und sollten sie zumindest einmal gehört haben 🙂

      • De Benny says:

        Dein Vater hat aus Angst zu Gott gefunden? Wow!

        Ansonsten… ich les grad ein bißchen Kirchengeschichte und so, also in der alten Kirche war die Hölle noch kein so großes Thema, wenn ich es recht im Kopf habe spielt sie auch bei der Glaubensregel keine Rolle. Deshalb denke ich ist es besser und sinnvoller, sich auf das Positive zu konzentrieren…

      • Theolunke says:

        Hm – vielleicht musste man früher nicht so viel über die Hölle reden, weil allen Menschen klar war, dass sie Erlösung und Rettung brauchen! Ist das den Menschen heute bewusst? …

      • De Benny says:

        Ich glaube die hatten früher einfach nen anderen Fokus. Die Hölle kommt soweit ich es bisher sehe nur in den Fokus, wenn es darum geht, daß nicht nur die gläubigen Verfolgten dereinst belohnt werden, sondern auch die Verfolger bestraft werden sollen (so rufen etwa die Blutzeugen unter dem Alter in der Offenbarung nach Rache -> Offb 6,9f). Selbst Calvin hatte die Hölle nur im Blick in Bezug darauf, daß wenn Gott zum Heil prädestiniert, er auch zur Hölle prädestinieren muß.
        Das Ganze beißt sich natürlich mit der Auffassung, daß Gott den Menschen dazu bestimmt hat, Gemeinschaft mit Gott zu haben (z.B. Joh 10,34ff). Weil wenn Gott den Menschen dazu bestimmt hat, dann ist es irgendwie irrsinnig anzunehmen, daß Ihm jemand durch die Lappen geht.
        Man versucht das mit dem freien Willen zu rechtfertigen (naja, “man” heißt hier wohl vor allem Evangelikale und Katholiken, Luther und Calvin waren sich mit der Prädestination ja recht einig). Aber wie frei ist ein Wille, der die Wahrheit nicht erkennt? Man kann ja nur zwischen den Dingen auswählen, die man kennt. Und niemand, der von Christus ergriffen ist und Ihn somit erkannt hat, läßt Ihn wieder los (ich kenne zumindest keinen).

        Ich denke, den Menschen ist damals udn heute nicht klar, daß sie Erlösung brauchen. Das war mir lange auch nicht klar. Als es mir klar wurde, gab es aber keine Frage mehr nach Himmel oder Hölle.

        Ich hab auch mal gehört, daß selbst die Orthodoxen, die ja sonst den Katholiken häufig näher stehen als den Protestanten, nicht an eine ewige Hölle glauben, sondern an sowas ähnliches wie das Fegefeuer der Katholiken, sprich: Zeitliche Strafen, wohl zur Läuterung. Nach der Läuterung aber steht auch für sie die Gemeinschaft mit Gott (wieso auch nicht, wenn sie geläutert sind, steht dem ja nix mehr im Weg).

        Irgendwo bei Paulus gibt es auch ne Stelle, wo die Rede davon ist, daß man durchs Feuer gehen muß und daß verbrennen wird, was nicht standhält, daß man aber nicht ganz verbrannt wird. Hab die Stelle grad nicht im Kopf.

        Ich bin jedenfalls der Meinung, daß die Hölle kein Thema ist, an dem wir uns lange aufhalten sollten. Erlösungsbedürftigkeit? Ja sicher, aber die wird schon genausogut wenn nicht besser an der Hölle klar, die wir Welt nennen (die Ursünde ist offensichtlich, man muß sich nur umblicken). Spekulative Bezüge auf das, was nach dem Tod ist, tangieren diejenigen Menschen, die eh nicht dran glauben, nicht.

  2. Ich finde es sowieso bedenklich wenn leute mit angst manipuliert werden – unser auftrage ist “Die GUTE BOTSCHAFT” unter den Menschen zu leben und nicht das ständige . du musst dich bekehren sonst kommst du in die Hölle- Es ist unsere aufgabe unsere beziehung zum vater so zu Leben das jeder andere mensch diese beziehung auch haben will.

    • Theolunke says:

      Klar, wir haben eine “Frohbotschaft” und keine “Drohbotschaft” … aber gerade in unserer Zeit verstehe ich menschen, die sagen: “Ich BRAUCHE keinen Retter, danke – das mach ich selbst” – denn vor was will mich denn der liebe Herr Jesus retten? Wenn nicht vor der Hölle? Wenn ich die Not nicht sehe, brauche ich keine “Erlösung” – dann lebe ich ohne Gott eigentlich ganz gut in der Welt! Ich kann ein moralisch hochstehendes Leben führen, für andere da sein, da und dort “Kompromisse” machen wo es mir vorteilhaft erscheint, Familie gründen, Freude erleben und am Ende nach einem glücklichen und erfüllten Leben sterben und geradewegs in die Hölle fahren …

  3. jobo72 says:

    Interessant! Ich denke: Nicht Frohbotschaft statt Drohbotschaft, sondern Frohbotschaft und Drohbotschaft, denn die Frohbotschaft ist in der Drohbotschaft der Kirche enthalten. Zugleich umgreift die Drohbotschaft die Frohbotschaft: „Pass auf, dass Du die Liebe und Gnade Gottes nicht verschmähst!“ Dazu: http://jobo72.wordpress.com/2011/09/26/frohbotschaft-und-drohbotschaft/ und http://jobo72.wordpress.com/2012/04/17/eden-fur-jeden-warum-es-die-holle-geben-muss/. LG, JoBo

  4. gast says:

    Fürchtet euch nicht vor denen, die den Leib töten, die Seele aber nicht töten können, sondern fürchtet euch vor dem, der Seele und Leib ins Verderben der Hölle stürzen kann. (Matthäus 10,28) Diesen Satz finde ich total ermutigend. Gott heil, tröstet, führt zur Buße, und das auch noch über den Tod hinaus. Bei Gott gibt es keine Hölle. 🙂

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