Nur über meine Leiche!

Quelle: Wikipedia

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Vor längerer Zeit war ich einmal auf einem Schrottplatz – ich suchte ein Ersatzteil für mein Auto, und die offiziellen Preise bei den Automarken sind oftmals horrend. Da ist es natürlich wunderbar, wenn man das gesuchte Teil in einem ausgedienten Vehikel unbeschädigt findet (vielleicht sogar in derselben Lackfarbe – aber man wird ja anspruchslos)! Nachdem ich das Gesuchte dort nicht gefunden habe, bliebt letztendlich doch nur der tiefe Griff ins Geldbörserl, um das Auto beim Mechaniker reparieren zu lassen. Aber der Blick über die ganzen ausrangierten Fahrzeuge, die aufs Ausgeschlachtet werden warten und ansonsten friedlich vor sich hinrosten, hat mich doch beeindruckt!

Quelle: Wikipedia

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Für manche Menschen ist das der Gedanke, der sie am Organspenden hindert. Niemand will gerne SO enden – ausrangiert, am Ende und dann auch noch ausgeschlachtet und bis auf “Herz und Nieren” ausgeräumt! Immerhin sind diese lebenswichtigen Organe doch auch ein “Teil von mir” – oder? Das stimmt ja – aber irgendwie auch wieder nicht! Denn was ist eigentlich das “Ich”! Woraus bestehe “Ich”? OK, hier wird es jetzt sehr philosophisch, wenn man dieses Fass öffnet, dann kommt man in Diskussionen schnell vom hundertsten ins tausendste und darüber hinaus! Aber die meisten Menschen würden doch zugestehen, dass das “Ich” mehr ist als nur die körperlichen Bestandteile! Der Schreiber dieser Zeilen würde sich nicht auf Gliedmaßen, Organe, Körperflüssigkeiten, etc. reduzieren lassen wollen. Gewiss, all das sind Dinge, die für ein Leben hier in dieser Welt unabdingbar sind. Und wenn jemand von mir ein Herz, eine Niere oder sonst ein Organhaben will, dann gilt dabei: “Nur über meine Leiche” – im wahrsten Sinn des Wortes. Aber der Punkt ist: Nach meinem körperlichen Tod BRAUCHE ich diese Bestandteile nicht mehr! Sie sind für mich nutzlos, wertlos und ohne Bedeutung. Ich möchte hier nicht über ein “Weiterleben der Seele” nach dem Tod schreiben, aber eines ist definitiv klar: DIESEN Körper und all seine Teile werde ich nicht “mit hinübernehmen” können, über die Schwelle des Todes! Und deswegen ist es mir VÖLLIG egal, was mit meinen sterblichen Überresten geschieht. Es ist schlichtweg nicht relevant. Sehr wohl relevant ist diese Frage allerdings oft für die “Hinterbliebenen” – hier geht es um Trauerbewältigung, um ein Akzeptieren des Unvermeidlichen. Für diesen Prozess ist es oftmals wichtig, den Körper des Menschen nochmal vor sich zu haben. Um Abschied zu nehmen. Oder einen Ort zu haben, wo man den Körper beerdigt – um damit auch abschließen zu können. Aber für all diese Fragen ist es letztendlich doch irrelevant, ob IN diesem Körper noch beide Nieren vorhanden sind, oder nicht. Bei Menschen, die sich für die immer moderner werdende “Feuerbestattung” entscheiden, sind diese Themen sowieso nicht so präsent – denn ob es nun ein paar mg Asche mehr oder weniger sind, das interessiert wohl wirklich niemanden.

Dieser Körper, den wir in dieser Welt kennen (und hoffentlich doch auch mögen) ist letztendlich mit einem Ablaufdatum versehen – als Christen haben wir zwar eine sehr starke “Auferstehungshoffnung”! Aber selbst diese ist kein Argument, Organspenden abzulehnen. Denn uns wird ja versprochen, dass wir einen “NEUEN” Körper bekommen. Ohne “Fehl und Makel”! Da wäre es ziemlich bescheuert, wenn ich dann dort ankomme und sage: “Ja, aber ich möchte gern meine alten Nieren mitnehmen, und auch meine beiden Lungenflügel – ich hab extra dafür gesorgt, dass sie niemand anderer bekommt!” Nein, wir bekommen einen NEUEN Körper mit NEUEN Nieren und NEUEN Lungen.

Was bleibt am Ende, wenn wir darüber nachdenken? Nun, bei manchen bleibt schlichtweg die “Angst vor dem Tod” – was ist, wenn ich nach einem schweren Unfall noch gar nicht WIRKLICH Tod bin – und die reißen mir schon das Herz aus dem Leib, weil es jemand dringend braucht? Unterschreibe ich mit dem Zulassen einer Organspende vielleicht gar mein eigenes Todesurteil? Und auch hier gehen wir in eine sehr knifflige Frage der Philosophie (und der Medizin) hinein: “Wann ist ein toter wirklich Tod?” – Gilt der “Herzstillstand”? Hoffentlich nicht, ich kenne Menschen, die hatten einen Herzstillstand. Zu sagen, die waren tot, ist wohl übertrieben. Oder der Hirntod? Nun, das ist ja momentan auch der “Stand der Medizin” – aber das war nicht immer so! Den Tod festzustellen, das ist gar keine so einfache Sache. Klar, nachdem man das Herz mal raus genommen hat, ist die Sache ziemlich eindeutig. Aber – und das ist letztendlich die “Gretchenfrage” – ist man bei Hirntod wirklich tot? Ich tendiere dazu, diese Frage mit “Ja” zu beantworten. Aber ein paar Artikel, die ich in den letzten Wochen und Monaten gelesen habe, lassen mich skeptisch werden. Ich werde mich sicherlich noch intensiver damit auseinandersetzen, und euch dann mal hier über meine Erkenntnisse am Laufenden halten.

Quelle: Wikipedia

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Bis dahin ist bleibt zu akzeptieren, dass man in Österreich sowieso automatisch “Organspender” ist – es sei denn, man entscheidet sich bewusst dagegen! Dann kann man das schriftlich festhalten! Dieses Dokument muss man dann natürlich im Falle seines abrupten Ablebens auch bei sich haben. Denn sonst kommt die Medizin doch noch an deine Organe. Zwar “nur über deine Leiche” – aber das reicht auch schon! In Deutschland läuft es da allerdings umgekehrt: Hier muss man sich bewusst entscheiden, Organspender zu sein! In Arztpraxen und Kliniken liegen Ausweise auf, diese können ausgefüllt werden. Müssen natürlich allerdings dann auch ständig mitgeführt werden. Oder zumindest dann, wenn man verfrüht aus dem Leben scheidet …

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4 Responses to Nur über meine Leiche!

  1. Christiane says:

    Das ist auch eine interessante Sichtweise zu den Thema.

    Und: Das “Ich” ist doch sozusagen das Gehirn – bin ich noch ich, wenn es nicht mehr tut? Was ist, wenn man (irgendwann) medizinisch den Hirntod umkehren kann, man dann aber nur noch vor sich hinvegetiert? Bin das dann noch Ich?
    Weil mein Hirn, mein Ich, ist nicht mehr so wie es einmal war, aber mein Körper schon….
    (Ich hoffe man versteht das, quasi dein Text in umgedrehter Form)

    • Theolunke says:

      Hi Christiane, du bringst die Frage hier auf den Punkt: Bin “ICH” das Gehirn? Oder ist das “Ich”, die Seele, irgendwo im Gehirn verortet? … ich weiß es nicht!

      • Christiane says:

        Google doch mal “Wo steckt das Ich im Gehirn”,… (Steck nur grad über nen Blogposting für nächste Woche, aber da scheint ein guter Beitrag zu kommen wenn mans sucht)

  2. Pingback: Tot, toter am totesten? | Der Theolunke

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