Das Ende der Toleranz

Quelle: Wikipedia

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Wir leben in einer toleranten Gesellschaft. Sagt man zumindest – und das ist doch auch gut so. Und doch hat die Toleranz doch auch in unserer Zeit klare Grenzen. Ich erinnere mich an das Interview mit einer jungen Frau, die für die Partei “Die Christen” in Österreich kandidierte. Dieses Interview wurde im Standard – einer seriösen österreichischen Tageszeitung – veröffentlicht. Und eben auch im “Online-Standard”, wo die Möglichkeit bestand, die eigene Meinung als Kommentar zu schreiben. Die Interviewte redete von Familie, von sich selbst (sie hat jung geheiratet, möchte Kinder und sieht deren Stellenwert VOR ihrer Karriere), sie will junge Mütter ermutigen, auch gegen den gesellschaftlichen und vielleicht sogar wirtschaftlichen Druck vermehrt Zeit für ihre Kinder zu investieren. So weit – so gut. Dann wurde die notorische Frage über ihre Einstellung zu Homosexualität gefragt (Kein Interview mit Christen – so scheint mir – kommt um dieses Thema herum … warum eigentlich?). Sie sprach davon, dass sie niemandem vorschreiben möchte, wie er leben soll. Aber dass es klare biblische Aussagen gibt, die ihre persönliche Meinung dazu prägen. Und dass homosexuellen Paaren durchaus rechtlich viele Hürden aus dem Weg geräumt werden sollten – Adoption und künstliche Befruchtung jedoch traditionellen Familien vorbehalten sein sollten. So weit also wenig Neues, wenig Aufregendes, möchte man meinen.

Zutiefst schockiert und traurig war ich nicht von ihren Aussagen – sondern von dem, was da an Kommentaren bei diesem Interview unter dem Artikel stand. Sätze wie: “Die blöde Kuh gehört doch einmal richtig durchgef*” waren da noch bei weitem nicht das Schlimmste! Schockierend und nachdenklich stimmte mich allerdings, dass diese Kommentare vom selbst ernannten “toleranten” Teil der Gesellschaft kam! Den Leuten, die sich die Verteidigung der Rechte der Homosexuellen auf die Fahnen geschrieben haben. Denen, die anscheinend “im Namen des Regenbogens” alles andere (verbal) niedermachen, das nicht ihrer Meinung ist. Tatsächlich darf man heute ja wirklich in vielerlei Hinsicht seine Meinung frei äußern – solange es eben NICHT dezidiert ein christlich-traditioneller Standpunkt ist. Hier scheint das Ende der Toleranz zu liegen, Meinungsfreiheit zählt nur so lange, solange sie nicht dem aktuellen gesellschaftlichen Trend “Alles ist gut, alles ist erlaubt” entgegensteht. Letztendlich führt diese Entwicklung allerdings NICHT zur angeblich erwünschten bunten Gesellschaft. Sondern – wie so viele Entwicklungen in der Vergangenheit (und auch die Religionen tendieren immer wieder in diese Richtung) zu einem schwarz-weißen Regenbogen, der nur unterscheidet zwischen “gut” und “böse” zwischen den richtigen Meinungen und den falschen, schlechten Meinungen.

Jeder kann sich selbst ein Bild davon machen, ob diese Analyse zutrifft – ich empfehle einfach einmal in einem öffentlichen Medium mit entsprechend großer Reichweite auch nur ansatzweise Bedenken anzumelden, ob die “Alles ist erlaubt” Mentalität im Bereich der Sexualethik wirklich so gut ist. Ob man da nicht doch auch anderer Meinung sein kann. Zum Beispiel der, das Homosexualität NICHT normal, gottgegeben und sogar förderungswürdig sei. Dass traditionelle Familienbilder ausgedient hätten. Dass Kinder das Recht auf einen Vater und eine Mutter hätten. Ihr werdet vermutlich viele freundliche, tolerante und respektvolle Antworten und Rückmeldungen bekommen … oder so!

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3 Responses to Das Ende der Toleranz

  1. AHB-Bloger says:

    Nicht ganz aktuell, aber auch im “Standard” nachzulesen mit ganz vielen Kommentaren. 🙂
    http://derstandard.at/1295570673764/ORF-Dancing-Stars-Niki-Lauda-empoert-sich-ueber-schwules-Tanzen
    Aktueller wären da die Gesetze in Russland, was von der Logik her der gute Niki wohl auch befürworten würde. Allerdings ist das jetzt reine Interpretation von mir.

  2. Phinphin says:

    Was du erwähnst, kann man sich auch tagtäglich in den Kommentaren von Spiegel online oder ZeitOnline durchlesen. Es geht dabei nicht wirklich darum Homosexuelle zu schützen oder Religiösität zu unterbinden, sondern einfach nur darum, jede Meinung, die politisch inkorrekt ist, auszumerzen. Es wird im Minutentakt die Nazi- oder Fanatismus-Keule geschwungen.

    Aus diesem Grund fragen Reporter Gläubige Menschen auch gezielt nach ihrer Meinung zur Homosexualität, obwohl der Artikel eigentlich nichts damit zu tun hat. Ein Artikel bzw. eine Meinung, über die man sich das Maul zerreißen kann, ist viel beliebter, als wenn er nur sachlich wäre.

    Kennst du Zufällig die Nazi-Debatte im deutschen Fernsehen mit Eva Hermann in der Sendung von Johannes B Kerner? Sie wollte eigentlich nur ihr Buch vorstellen, Kerner wollte aber nichts weiter als ein Exempel an ihr und ihren Aussagen bezüglich der Rolle der Mutter im dritten Reich statuieren. Dafür wurde sogar im Vorfeld extra ein “Experte” ins Publikum gesetzt, der politisch Korrekt aufklärte, wieso die Nazis böse waren. nach etwas Smalltalk wurde Hermann dann in die falle gelockt und 20 Minuten fertig gemacht.

    Ich halte ihre Ansichten für falsch. Genauso halte ich manche Ansichten von religiösen Menschen für falsch. Aber solange sie niemandem was tun, braucht man sich nicht zum “Helden” aufspielen.

    • Theolunke says:

      Danke Phinphin – du schreibst mir hier aus der Seele! Gerade die “Interviews” wo es letztendlich NUR darum geht, Christen als homophob und darum abgrundtief böse darzustellen, gehen mir auf den Keks (ein befreundeter Leiter einer Kirchengemeinde hatte einmal mit der “Süddeutschen” ein Interview … sie redeten über 30 Minuten lang über alles Mögliche, viel über das soziale Engagement der Gemeinde etc. … dann überraschte ihn der Reporter mit einer “Nebenfrage” über Homosexualität, darüber wurde dann noch 1 oder 2 Minuten geredet … der ARTIKEL war dann aber eine ganzseitige Abrechnung mit den bösen ach so homophoben Christen … alles andere war egal, auch, dass er die Aussagen so gar nie getätigt hat. Aber es war halt ein Artikel nach dem Geschmack der “süddeutschen”) ….

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