Erntedankpredigt “Dankbarkeit” (mit MP3)

Hier meine Predigt vom Erntedankgottesdienst am 6.10.2013 in der KIK:

Für all jene, die sie sich lieber als Text durchlesen gibt es hier auch das Skript zur Predigt: 

Quelle: Fotolia.de

Quelle: Fotolia.de

So, können bitte die Kinder mal nach vorne kommen? Es gibt auch was zu Naschen, kommt mal hier zu mir! Also, ich hab eine Frage an euch: „Was sagt ihr, wenn ich euch hier eine Süßigkeit gebe?“  – (Danke??) – Ah, ja, also du würdest Danke sagen. Wer würde denn noch Danke sagen? Wow, alle hier? Super, echt gut erzogen, tolle Eltern! Von (durchzählen) Kindern würden also ALLE Danke sagen. Für Schokolade. Aber ich möchte euch – also eigentlich uns allen – eine Geschichte erzählen, wo es ganz anders zuging. Und da ging es auch nicht um Schokolade, sondern um viel mehr! In dieser Geschichte geht es um Jesus, wie er wieder einmal mit seinen Freunden durch das Land zog. Auf einmal kam eine ganze Gruppe von schwer kranken Männern auf ihn zu. Diese Männer hatten einen „Aussatz“, das ist eine furchtbare Hautkrankheit. Mit so einer Hautkrankheit wollte niemand etwas mit ihnen zu tun haben, das sah einfach ganz eklig aus. Und außerdem waren die Männer mit dieser Krankheit auch aus religiösen Gründen von der Gemeinschaft, auch aus ihrer Kirchengemeinde, ausgeschlossen. Das war also ganz furchtbar für sie.  Als diese Männer Jesus sahen, da riefen sie schon von weitem: „Jesus, lieber Meister, erbarme dich unser! Hab doch Mitleid mit uns, wir wollen gesund werden!“ Und was machte Jesus? Er sagte: „Geht zu den Priestern, also zu den Leitern eurer Kirchengemeinde und zeigt ihnen eure befallenen Hautstellen!“ Die Männer machten das sofort, und das unglaubliche geschah: Die Hautkrankheit war weg, sie waren alle wieder gesund! Sie haben von Jesus ein Geschenk bekommen, das viel mehr wert war, als eine Süßigkeit! Sondern etwas, das wie ein neues Leben war für sie! Was meint ihr nun, was haben diese Männer zu Jesus gesagt? Danke? OK, wie viele von ihnen haben Danke gesagt? Nur EINER! Ein einziger, von zehn! Voll furchtbar, oder? Und dieser eine, der war dann auch noch voll der Außenseiter, der, den niemand mochte. Der, auf den alle anderen mit dem Finger zeigten, ein „Samariter“. Jesus war voll verblüfft: „Was, nur dieser eine, dieser Fremde, hatte es für wichtig empfunden, umzukehren und Gott für das Geschenk zu danken?“

Nur einer von zehn – was war da passiert? Lag es an der schlechten Erziehung? Oder ist Jesus hier einfach nur kleinlich, die werden ja andere, wichtigere Dinge zu tun gehabt haben, jetzt, da sie wieder gesund sind! Da muss man ja erst mal ganz neu anfangen, das Leben zu genießen! Es geht in der heutigen Predigt um „Dankbarkeit“ – und diese Begebenheit im Leben von Jesus zeigt uns drei wichtige Lektionen über Dankbarkeit! Erstens, Dankbarkeit ist niemals passiv, sondern es ist eine aktive Entscheidung. Die zehn Männer, die geheilt wurden, haben eine Entscheidung getroffen. Einer entschied sich dafür, Danke zu sagen. So wie die Kinder vorher bei der Schokolade! Die anderen neun, nun, haben die auch eine Entscheidung getroffen? Wir lesen nichts davon, aber wir erkennen: Ja, sie haben sich auch entschieden. Dafür, NICHT dankbar zu sein! Dankbarkeit ist nicht einfach nur ein warmes Gefühl in der Magengegend, sondern es ist zuallererst eine Entscheidung, auf die eine Aktion folgt! Wenn ich „dankbar bin“, dann muss das sichtbar werden. Es reicht nicht, wenn die anderen neun sagen: „Jaja, wir waren eh dankbar, so – innerlich halt!“ Es muss sichtbar werden, es muss eine Auswirkung haben. Dankbarkeit beginnt mit einer Entscheidung!

Das zweite, das wir über Dankbarkeit lernen können, ist, dass es unsere Aufmerksamkeit braucht, um dankbar zu sein! Schauen wir uns nochmal die Situation an: Die Männer trafen Jesus, dann gingen sie zum Priester. Wir wissen nicht, wie viel Zeit da verging, aber ALS sie beim Priester waren, da waren sie geheilt. Vielleicht war den anderen neun einfach nicht bewusst, dass Jesus sie geheilt hatte. Sie taten es als „glücklichen Zufall“ ab, sie freuten sich über die Heilung, aber haben nicht erkannt, dass GOTT sie geheilt hat! Nur einer war aufmerksam genug, um das zu erkennen. Nur dieser eine war wirklich dankbar! Ein einziger war aufmerksam genug, um zu erkennen, dass er von Gott beschenkt wurde. Dass es kein Zufall war!

Und das dritte, was wir in dieser Geschichte über Dankbarkeit lernen, ist, dass durch unsere Dankbarkeit Gott die Ehre gegeben wird! Wir erkennen an, dass unsere guten Gaben von ihm kommen und freuen uns an ihm! Das lesen wir in Vers 18, wo Jesus fragt: „Hat sich sonst niemand gefunden, der umkehrte, um Gott die Ehre zu geben?“ Als Kirchengemeinde wollen wir ja auch, wenn wir Gottesdienst feiern, unseren Gott feiern und ihm „die Ehre geben“ – ganz konkret heißt das einfach auch, dankbar zu sein! Ihm „Danke“ zu sagen! Immer wieder!

Quelle: Wikipedia

Jetzt möchte ich mit euch zwei konkrete Beispiele anschauen. Zwei Beispiele, mit denen wir ein bisschen erkennen können, was ich mit diesen drei Erkenntnissen über Dankbarkeit meine. Zwei Beispiele, bei denen es jetzt auch praktisch wird. Der erste große Bereich, in dem wir neu lernen können, dankbar zu sein, sind die Kinder, die Gott uns schenkt! Wir feiern heute auch Kindersegnung, wo wir Gott auch Danke sagen wollen für die Kinder! Kinder sind ja letztendlich niemals unser Besitz, sondern Gott gibt sie in unsere Hände! Was für ein Geschenk! Aber überlegen wir mal, was haben wir aus der Geschichte über Dankbarkeit gelernt? Entscheiden wir uns bewusst dafür, dankbar für unsere Kinder zu sein? Das ist manchmal vermute ich bei eigenen Kindern schon auch schwer, oder? Wenn sie wieder mal überhaupt nicht folgen, nur Blödsinn machen und den Eltern den letzten Nerv kosten? Nein, ihr seid da sicher nicht betroffen (auf die Kinder zeigen), ich rede hier nur von mir, als Kind. Aber noch schwieriger ist es manchmal, bei anderen Kindern nicht genervt zu sein. Sich nicht einfach nur über den Lärm zu beschweren oder die Unruhe, die sie manchmal in den Gottesdienst bringen. Sondern dass man sich dafür entscheidet, dankbar zu sein. Ganz bewusst – wir können, wenn die Kinder wieder mal etwas lauter sind, in unseren Gedanken beten: „DANKE lieber Gott, dass du uns als Kirchengemeinde so reich beschenkt hast mit diesen Kindern!“  Die Entscheidung, Gott für Kinder dankbar zu sein, hat aber auch weitere Auswirkungen. Es ist eine Entscheidung, die unsere Gesellschaft ändern würde. Denn irgendwie sind Kinder in unserer Zeit oft kein Grund, dankbar zu sein. Kinder stehen der Karriere im Weg, sind lästig, laut, kosten viel Geld, Nerven, Zeit usw. Junge Eltern werden sonderbar angeschaut und jungen Mütter, die nicht so schnell wie möglich wieder „weg vom Kind“ kommen wollen um Geld zu verdienen werden immer seltener. Das, wie unsere Gesellschaft mit Kindern umgeht, zeigt, dass wir hier als einzelne wirklich einen Unterschied machen können, wenn wir uns entscheiden, dankbar für Kinder zu sein! Sie als Geschenk und einen Segen von Gott zu erkennen. Denn dann würden auch viele Diskussionen rund um Lebensschutz, Abtreibungen und so weiter nicht mehr so kontrovers diskutiert werden. Denn dann geht es nicht mehr darum, ob der Bauch jetzt der Mutter gehört oder nicht – natürlich tut er das! Aber das was DRIN ist, das ist ein Geschenk von Gott! Und dafür dürfen und sollen wir einfach nur dankbar sein. Als „Betroffene“ Mutter, aber auch als ganze Gesellschaft!

Das zweite Beispiel, dass ich mit euch anschauen will, ist der Bereich unseres Wohlstandes. Unseres Reichtums. Wir feiern ja heute auch „Erntedank“ – da geht es darum, Gott auch dafür Danke zu sagen, dass er uns versorgt jeden Tag. Dass wir zu essen haben, dass wir Geld haben, um uns Kleidung kaufen zu können. Ihr Lieben, das ist nicht selbstverständlich! Wirklich nicht – unzählige Menschen auf der Welt wissen abends noch nicht, ob sie morgen überhaupt etwas zu Essen haben. Ob sie das kaputte Hemd zum siebten Mal flicken müssen, weil wieder nicht genug Geld für ein neues da ist. Vielleicht denkst du jetzt: „Moment mal, aber ich verdiene mein Geld ja mit meiner Arbeit! Ich tue ja SELBST was dafür, warum soll ich da dankbar sein?“ Schauen wir nochmal auf die zweite Lektion, die wir aus der Geschichte über Dankbarkeit lernen: Wenn wir nicht aufmerksam sind, dann merken wir gar nicht, dass wir beschenkt wurden! So, wie die neun Männer aus der Geschichte: „Warum sollen wir dankbar sein? Und wem?“ Ganz praktische Fragen: Hast du es dir selbst zu verdanken, dass du in Mitteleuropa geboren bist? Hast du dir das ausgesucht? Hast du es dir selbst zu verdanken, dass du gesund und arbeitsfähig bist? Hast du es dir selbst zu verdanken, dass dein Arbeitgeber bei der Wirtschaftskrise nicht Pleite gegangen ist? Hast du es dir selbst zu verdanken, dass du in einer ZEIT geboren bist, in der in unseren Ländern Wohlstand und Friede herrscht? Oder ist es nur – Zufall??? Ich möchte euch heute mit dieser Predigt wirklich auch herausfordern – schaut doch mal genauer hin, überall da, wo ihr meint, „glückliche Zufälle“ zu erkennen: Die Bibel sagt uns, dass alle guten Gaben von Gott kommen, als Geschenk! Wir haben uns das nicht verdient, weil wir so toll sind, sondern es sind Geschenke, die Gott und macht. Die er dir und mir macht, im Alltag. Es gibt ein wunderbares Lied von dem Musiker und Sänger Albert Frey, in dem singt er: „Vater, also Gott im Himmel – ich will dir danken“ weil er überall „Zeichen seiner Liebe, Zeichen seiner Treue“ erkennt. Wenn er nur aufmerksam schaut!

Nun, die Geschichten in der Bibel fordern uns ja immer wieder heraus. Wenn wir heute über Dankbarkeit reden, dann stellt sich ja ganz konkret die Frage: „Bist du dankbar“ – oder, um in der Begebenheit aus dem Leben von Jesus zu bleiben: „Bist du einer von denen, die NICHT umkehren. Die nicht dankbar sind? Oder bist du vielleicht der eine, der es doch tut??“ Hör mal in dich hinein, wer bist du in dieser Geschichte? Gibt ja nur zwei Möglichkeiten, entweder wir stellen fest: „Natürlich sind wir dankbar, ich weiß gar nicht, warum der da vorne so lange redet – MICH betrifft das nicht, ICH bin sicherlich der eine, der da umkehrt“ Oder wir sagen: „Naja, wir müssten uns fest bemühen – aber wir KÖNNTEN es schon schaffen, wenn wir uns fest anstrengen um dankbarer zu sein!“ Darum geht es ja auch ein bisschen in der Predigt, oder? Wie kann ich dankbarer werden, im Alltag, in meinem Umfeld … Das Problem dabei ist, dass es nicht um eine einzige Situation geht! Die Bibel fordert uns auf, Dankbar „in ALLEN Dingen“ zu sein, allezeit und alles dankbar vor Gott zu bringen (1. Thessalonicher 5,18). Das ist die Herausforderung – darum geht es!  Und spätestens da erkennen wir: „Diesem Maßstab entsprechen wir nicht! So gut sind wir nicht! Daran werden wir scheitern!“  Wir können uns bemühen, dass unser Alltag ein bisschen mehr Dankbarkeit enthält, können in unserem Gute-Nacht-Gebet jeden Tag ganz viel „Danke“ für alle möglichen Dinge sagen. Aber trotzdem schaffen wir es niemals, „dankbar in allen Dingen“ zu jeder Zeit und überall zu sein! In der Geschichte aus der Bibel hat EINER die „Prüfung“ bestanden, einer war „dankbar“! Aber warum? Weil er einfach ein besserer Mensch war? Bessere Erziehung genossen hat? Sich mehr bemüht hat? Vielleicht trifft das alles ein bisschen zu – aber das ist nicht das, wodurch er es am Ende geschafft hat: Jesus sagt nämlich im letzten Vers, Vers 19, der Geschichte: „Dein GLAUBE hat dir geholfen!“ Dein Glaube hat dir geholfen – aber woran denn? Glaube an sich ist ja irgendwie witzlos, oder? Glaube ist ja immer nur so viel wert, wie das, WORAN man glaubt. Was ist das für ein Glaube, den Jesus da anspricht? Der Mann, der früher aussätzig war, der ist Jesus begegnet! Und aus dieser Begegnung heraus entstand die feste Zuversicht, die Gewissheit: „Dieser Jesus rettet mich aus meiner Not! Aus meinem Elend! Er kann mir ein neues Leben schenken! Er ist meine Hoffnung, auf diesen Jesus werfe ich mein Vertrauen!“ Dieser Glaube führte dazu, dass er echt dankbar sein konnte! Das ist der Glaube, den Jesus hier meint! Aber was heißt das für uns? Ich habe ja zuerst schon gesagt, worum es in der Bibel eigentlich geht, beim Thema Dankbarkeit: Nicht darum, ein bisschen öfter Danke zu sagen. Ein bisschen dankbarer zu werden. Sondern in ALLEN Dingen zu JEDER Zeit dankbar zu sein! Wie können wir das schaffen? Nicht, indem wir uns mehr anstrengen, das funktioniert nicht! Auch nicht, indem ihr einfach nur eine Predigt mit netten und hilfreichen Tipps hört. Auch das klappt auf Dauer nicht. Sondern einzig und allein dadurch, dass wir erkennen: „Wir SCHAFFEN es nicht“ – und dann unser Vertrauen auf Jesus werfen! Dass er uns helfen kann. Und helfen will! Dass er das, was wir nicht schaffen, das, wo wir versagen, wo wir eben NICHT dankbar sind, wo wir einer der neun sind, die weggehen – dass er all das wegnimmt und uns einen Neubeginn schenkt!

Ich möchte euch ein paar Minuten Zeit geben, darüber nachzudenken. Wo wurdest du heute herausgefordert? Vielleicht möchtest du dir einen praktischen Tipp mitnehmen, wie du ganz konkret dankbar sein kannst! Vielleicht erkennst du aber auch: „Das Problem geht tiefer, ich schaff es gar nicht, so dankbar zu sein – ich brauch auch diesen Glauben, von dem da die Rede ist!“ Denk einfach mal drüber nach, du kannst auch im Stillen mit Gott darüber reden. Ihm einfach deine Gedanken sagen und dann auch innerlich still werden – vielleicht hat Gott auch was dazu zu sagen!

Advertisements
This entry was posted in Predigtgedanken and tagged , , , , . Bookmark the permalink.

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out / Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out / Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out / Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out / Change )

Connecting to %s