Artikel III: Ist sie es nun – oder ist sie es nicht?

Gedanken zum dritten Artikel der Chicago-Erklärung zur Irrtumslosigkeit der Schrift. Unter dem Punkt “Standpunkte” findet ihr Beiträge zu den ersten beiden Artikeln!

Artikel III

Wir bekennen, daß das geschriebene Wort in seiner Gesamtheit von Gott gegebene Offenbarung ist.

Wir verwerfen die Auffassung, daß die Bibel lediglich ein Zeugnis von der Offenbarung sei oder nur durch die Begegnung mit ihr Offenbarung werde oder daß sie in ihrer Gültigkeit von einer Antwort des Menschen abhängig sei.

Im dritten Artikel der Chicago-Erklärung zur Irrtumslosigkeit der Schrift (gesamten Text siehe HIER) wird ein Thema angesprochen, das in den vergangenen Diskussionen auch schon angeklungen ist. Ist die Bibel, die “heilige Schrift” der Christen nun tatsächlich “das Wort Gottes”, also Gottes direkte Offenbarung an die Menschen – oder ist sie es nicht?” Viele Christen, darunter auch die Verfasser der Chicago-Erklärung, sind klar der Meinung: “Ja, die Bibel IST Gottes Offenbarung”! Andere sagen, nein, die Bibel ist nur eine Sammlung von Berichten, in denen es um Menschen geht, die Offenbarungen von Gott erhalten haben. Merkt ihr den Unterschied? Man möge mir bitte keine Haarspalterei vorwerfen, aber es ist schon etwas anderes, ob die Bibel “nur” Berichte über Offenbarungen enthält – oder SELBST die Offenbarung an uns ist.

Im ersten Fall lese ich einfach darüber, wie Menschen Gott begegnet sind. Wie sie Offenbarungen erhalten haben und was sie darüber schreiben.
Im zweiten Fall kann ich SELBST Gott begegnen, durch das Lesen der Bibel. Ich SELBST werde Empfänger der göttlichen Offenbarung. Ich bin nicht ein unbeteiligter Dritter, der von so einem Ereignis liest, sondern es geht ganz unmittelbar um MICH – und mein Leben!

Quelle: Amazon.de

Ein krasser Unterschied – oder? Natürlich kann ich auch etwas von Gott lernen, wenn ich Berichte über Menschen lese, die Gott begegnen. Aber das ist doch kein “Alleinstellungsmerkmal” der Bibel. Ich profitiere ungemein von Biographien großer Gottesmänner, Georg Müller, Hudson Taylor, Jim Elliot, Jonathan Edwards und viele andere haben mich in meinem Glauben persönlich herausgefordert. Aber es hat mich niemals so angesprochen wie die Bibel selbst. Der Anspruch der Bibel ist es, Gottes WORT zu sein! Nicht ein Bericht über Gottes Worte …

Im neuen Testament wird immer wieder das Alte Testament zitiert – oft mit den Worten: “Gott spricht: …” So zum Beispiel auch in 2. Korinther 2,6: Paulus zitiert eine Stelle aus Jesaja und sagt: “Das sagt Gott HEUTE zu EUCH” Er geht nicht davon aus, dass es einfach ein historischer Bericht ist von etwas, was Gott Jesaja gesagt hat. Sondern dass es eine Offenbarung Gottes für die Korinther ist. Und genauso – und das denke ich, dass es ist – für uns heute. Und für die Menschen im 22. Jahrhundert … und darüber hinaus!

Das ist der Grund, warum ich denke, dass die Chicago Erklärung hier recht hat – die Bibel IST Gottes Offenbarung, heute und zu allen Zeiten und für alle Menschen! In allen Kulturen und Gesellschaften. Eben sein “lebendiges Wort”!

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3 Responses to Artikel III: Ist sie es nun – oder ist sie es nicht?

  1. Ben says:

    Du schreibst von einem entweder/oder… aber ist die Bibel nicht als beides zu verstehen – direkte Offenbarung, als auch Zeugnisbericht? Einige Teile sind ganz klare Worte Gottes wie zb die prophetischen Bücher, oder auch andere Texte, die Offenbarung Gottes vermitteln, wie zb in den Psalmen (naja, eigentlich in jedem biblischen Buch zumindest teilweise…). Andere Passagen gibt es aber auch, die “einfach nur Berichte” sind, die ich nicht unbedingt als direkte göttliche Offenbarung ansehen würde (auch wenn es sehr beispielhafte und maßgebende Berichte sind, durch die uns Gott auch heute immer noch lehren kann).
    Interessant finde ich auch die ganze Frage nach der Kanonisierung der Schriften… interessanter Weise haben nämlich Jesus und die Apostel wohl auch einige Schriften mitzitiert, die später von den Kirchenvätern nicht mit in den biblischen Kanon aufgenommen wurden, oder es gab apostolische Briefe, die verloren gegangen sind… Von daher finde ich diese absoluten Äußerungen über den biblischen Kanon in gewisser Weise etwas schwierig – oder zumindest wert, darüber weiter nachzudenken und zu forschen, als es einfach nur als so gegeben hinzunehmen 😉

    • Theolunke says:

      HI Ben – der Hinweis darauf, das ein bloßes “entweder/oder” vielleicht zu kurz greift, finde ich interessant! Werde da sicherlich in nächster Zeit noch genauer hinschauen, denn eines ist klar: Die Bibel besteht aus einer Unzahl an verschiedenen “Textgattungen”, da sind Berichte dabei, Chroniken, Erzählungen, Poesie, Weisheit und Sprüche, Lieder, Prophetien, etc. … Die Frage, ob all diese Textarten nicht unterschiedlich behandelt werden wollen, ist berechtigt! … Hm …

      Das was die Kanonbildung betrifft, da denke ich, wird in den zukünftigen Artikeln der Chicago-Erklärung noch darauf eingegangen, Werde dann dazu ein paar Gedanken dazu posten 🙂

  2. theomix says:

    “Von Luther haben wir’s gelernt…”: Kanon im Kanon, Mitte der Schrift macht es eventuell unter bestimmten Bedingungen nötiog, Schriften oder Aussagen abzulehnen.
    Außerdem kommt es dann zur Frage, was denn nun Offenbarung ist – und wie der Mensch davon erfährt. Die Verwerrfung schneidet sich den Weg zu einer Antwort ab. Die Offenbarung schwebt im Himmel, direkt unter Gott, und kommt nicht auf die Füße der Freudenboten…

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