Chicago-Erklärung – Artikel I

Was ist die “Chicago-Erklärung” von 1978? Klick mal hier – eine Erklärung verschiedener christlicher Konfessionen zur Irrtumslosigkeit der Bibel. In den nächsten Wochen werde ich auf die einzelnen Artikel Bezug nehmen – heute also der erste Artikel:

Wir bekennen, daß die Heilige Schrift als das autoritative Wort Gottes anzunehmen ist.

Wir verwerfen die Auffassung, daß die Schrift ihre Autorität von der Kirche, der Tradition oder irgendeiner anderen menschlichen Quelle erhielte.

Quelle: Fotolia

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Wir bekennen … als autoritatives Wort Gottes. Damit haben vermutlich viele schon mal ein Problem. Heutzutage erzieht man ja “anti-autoritär”, jeder darf tun, was er will, jeder hat seine eigene Wahrheit, usw. Aber am Ende des Tages weiß doch eigentlich jeder: “Es gibt nun mal gewisse Regeln, an die man sich halten muss! Sonst funktioniert das Zusammenleben nicht”

Aber wer macht diese Regeln? Wer sagt, welche Regeln gut sind? Die Gesellschaft? Die Mehrheit? Die Regierung? Ich möchte nicht in einer Gemeinschaft leben, wo der Stärkere die Regeln bestimmt, die “Autorität” hat. Aber wer dann? Irgendwie fehlen mir da oft die Antworten .. habt ihr sie? Die Chicago-Erklärung hält fest: “Autorität als GOTTES WORT – und somit quasi in Stein gemeißelt und absolut – hat die Bibel!” Diese Autorität hat die Bibel eben nicht durch “die Kirche” oder andere menschliche Institutionen – sondern weil, so die These, Gott selbst dahintersteht. Eine steile Behauptung – klar, WENN ein allmächtiger Schöpfergott hinter diesen Worten steht, dann kann man ihm diese Autorität zusprechen.

Aber erst mal eine andere Frage – ist es “praktikabel”? Funktioniert die Bibel als autoritativer Maßstab für unser Leben? Unzählige Christen auf der ganzen Welt würden diese Frage mit “Ja” beantworten. Das ist durchaus auch meine Erfahrung – gerade jetzt wieder bei Aktionen wie “30 Tage Weisheit” aus dem Alten Testament und allgemein beim Durchlesen des Alten Testaments im Zuge meines Studiums fällt mir immer wieder auf: Das ist so aktuell! Das spricht genau in unsere Zeit hinein, wenn wir das als Maßstab nehmen würden, dann würde manches wohl positiver sein! Wohlgemerkt – es geht bei “Autoritatives Wort Gottes” nicht darum, einfach den damaligen Gottesstaat wie er in Israel Bestand hatte, auf die heutige Gesellschaft umzulegen! Die Frage, wie dieses Wort Gottes zu uns spricht, ist eine so genannte “hermeneutische” Frage (“Hermeneutik” bedeutet, dass man einen Text immer auch auslegen muss – das betrifft JEDEN Text, also natürlich auch die biblischen Schriften). In der Bibel finden wir allgemein gültige und in allen Zeiten, Kulturen und Gesellschaften funktionierende Prinzipien, die für uns normativer und autoritativer Maßstab sind. Die Autorität wird nicht durch Institutionen oder menschliche Weisheit gegeben, sondern durch Gott selbst, der hinter diesem seinen Wort steht!

Soweit die Aussagen des ersten Absatzes der “Chicago-Erklärung”
Weitere folgen 🙂

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17 Responses to Chicago-Erklärung – Artikel I

  1. theomix says:

    ein paar steinchen aus meinem Assoziationsmosaik:
    – ‘Heutzutage erzieht man ja “anti-autoritär”’ Die letzten 40 Jahre verschlafen? 😈
    – quasi in Stein gemeißelt. Und der Stein ist dann lebendig – wie das Wort Gottes?
    – wie hiner allem, steht auch hinter der Schrift Gott. Aber wodrurch haben wir davon erfahren? Durch Menschen, die (so darf man zu unseren Gunsten annehmen) dies im Heilgen Geist getan haben.
    – die überall gültigen Prinzipein finden sich nicht überall in der Schrift.

    • Theolunke says:

      anti-autoritär ist (anscheinend) schon wieder in mode – die postmoderne verbietet doch jeglichen absoluten wahrheitsanspruch …. wobei, die ist ja auch schon wieder überholt … oder so 🙂
      und wodurch wir von der Schrift erfahren haben? naja, alle schrift ist von gott inspririert (eingegeben, eingehaucht ..) – dazu kommt aber noch ein anderer artikel der erklärung

      Ach ja – “Assoziationsmosaik” gefällt mir gut …

  2. De Benny says:

    Du möchtest nicht in einer Gesellschaft leben, in der der Stärkste die Regeln bestimmt, und dennoch folgst Du (oder strebst danach) Gottes Regeln, obwohl nichts und niemand stärker ist als Gott… 😉

    • Theolunke says:

      korrigiere mich: Ich möchte nicht in einer Gesellschaft leben, in der der stärkste MENSCH die regeln bestimmt … das problem ist nicht das “Stärkste” sondern der “mensch” … 🙂

      • De Benny says:

        😉 So kann ich auch damit leben. Wobei ich die Chicago Erklärung ablehne. Man braucht die Bibel nicht, um an Gott zu glauben. Sie hilft, aber sie kann auch den Blick verstellen. Sie ist ein Gebrauchsgegenstand, von Menschen geschrieben, die wie wir an Gott glaubten. Sie gibt Zeugnis, ist an sich aber tote Sprache und wird zum lebendigen Wort nur im Hören unter Beteiligung des Heiligen Geistes. Sonst müßte ja jeder, der die Bibel mal gelesen hat, gleich Christ werden…

      • Theolunke says:

        Hm – finde ich interessant: Ich persönlich würde mich – glaub ich – schwer tun, mir meinen Glauben ohne die Bibel vorzustellen. Liegt vielleicht auch daran, dass ich einfach ein “Kopfmensch” bin … wie könnte ich denn sonst “valide” Informationen über Gott bekommen? Durch mein “Gefühl”? – Durch die “Philosophie”? …

        Aber in dem einen Satz gebe ich dir 100% recht – das sehe ich auch so: Die Bibel wird zum Lebendigen Wort nur durch das Wirken des heiligen Geistes! Sehe ich ganz genau so! Aber das mindert – meiner Meinung nach – nicht den Anspruch der Bibel als “Wort Gottes” …

  3. Paul says:

    @Theolunke #Postmoderne:
    Postmodernes Denken verbietet nicht eine absolute Wahrheit per se, sondern es zeigt auf, dass jedes System auf Grundlagen beruht und deshalb zwar in sich schlüssig sein, aber nicht logisch allgemeingültig sein kann, weil diese Grundlagen von Erfahrungen, persönlichen Erkenntnisen bzw. vom Kontext abhängen. Man spricht auch nach Lyotard vom Ende der großen Erzählungen bzw. vom Ende der Metanarration, was alle moderne Systeme betrifft; rein naturalistische als auch moderne idealistische bzw. religiöse. Was insofern natürlich auch den Versuch, aus der Bibel für alle Menschen ein gültiges System objektiver und damit autoritative Masstäbe zu bilden, kritisiert.
    Ich denke, dass die Verfasser der Chigago-Erklärung sehr stark von einem modernen Denken geprägt waren, das aber der Bibel als Ganzes, die ja eine Sammlung von Erzählungen unterschiedlicher Prägungen ist, kaum gerecht wird. Aber hätte uns Gott sonst nicht eher einfach einen Regelkatalog schicken können? Die Frage, die sich mir stellt, ist die: Dachten die Verfasser dieser Texte auch in diesem modernen, formal-logisch orientierten Wahrheitskonzept? Weil nur dann wäre es überhaupt sinnvoll so vorzugehen; Und Forschungen zeigen, dass dem eben nicht so ist, sie zeigen sogar Ähnlichkeiten von prämodernem und postmodernem Denken auf…

    Geht es nicht darum, dass ich mich freiwillig der Autorität von mir durch diese biblischen Erzählungen erkannter Wahrheiten unterstelle und immer wieder neu darum ringe bzw. auch anerkenne, wenn andere zu anderen Schlüssen kommen, weil ich weiß, dass ich nicht vollkommen bin. Das macht natürlich vieles — insbesondere die Gemeindeführung — auch komplizierter – keine Frage.

    • Theolunke says:

      Der Wahrheitsanspruch der Bibel an sich ist natürlich eine spannende Frage. Es stimmt natürlich, die Aussage: “Die Postmoderne verbietet absolute Wahrheiten” ist eine ziemliche Vereinfachung 🙂 …
      Aber ich stelle trotzdem die grundsätzliche Frage – WARUM kann es keine allgemein gültigen Grundlagen geben? Ist es nicht eher so, dass es diese sehr wohl geben kann, wir sie aber nicht absolut erkennen? Ist es also nicht eher eine Frage der ERKENNTNIS als eine Frage der Existenz solcher absoluten und allgemein gültigen Grundlage bzw. “Wahrheit”?

      Zu deinem letzten Absatz – JA, darum geht es wohl. Aber wenn es “nur” eine “von mir” erkannte Wahrheit ist, dann reicht mir das nicht! Vielleicht bin ich da kleinlich oder “old school” … Ich bin nicht vollkommen, meine Erkenntnis ist es wohl noch weniger … aber ich will darauf vertrauen dürfen, dass es Gott bzw. sein Wort ist! In den speziellen Frage – auch in der Gemeindeführung – bleibt es komplex und kompliziert. Das wird dadurch ja nicht einfacher …

      • Paul says:

        Wenn Gott Schöpfer und Herr über alles ist, dann ist letztlich die volle Erkenntnis bzw. Wahrheit nur bei Gott; in seiner dreieinigen, relationalen Gestalt.
        Insofern denke ich, dass wir also viel zu viel über eine “menschliche”, sprachlich formale Wahrheit diskutieren, als ob Gott bzw. Gottes Wort ein logisches Konstrukt wäre. Wäre es nicht besser, Wahrheit als Erkenntnis Gottes zu betrachten, also es als Verständnis und geistiges Leben in der konkreten Umsetzung, im menschlichen Miteinander zu sehen. Also mit Wahrheit qua relationale Erkenntnis bzw. als praktische Umsetzung zu starten. Klarerweise durch die biblische Überlieferung fundiert, aber mit einem Verständnis, das Text einfach auch Text sein lässt.
        Und würde vl. bedeuten, dass manche Evangelikale vl. gar nicht so viel Wahrheit besitzen, wie sie meinen.
        Aber das sind nur ein paar Gedanken, die ich noch besser durchdenken muss…

  4. De Benny says:

    Hm – finde ich interessant: Ich persönlich würde mich – glaub ich – schwer tun, mir meinen Glauben ohne die Bibel vorzustellen.

    Historisch sicherlich nicht. Aber gerade als “Kopfmensch” muß ich sehen, daß Leute wie Paulus keine Bibel hatten. Oder König David. Und als Kopfmensch (der auch mal in der Bibel gelesen hat und auch nicht mit geschlossenen Augen durch die Welt geht) ist mir auch klar, daß ich aus der Bibel keine validen Aussagen gewinnen kann. Und zwar liegt das in erster Linie an mir und nicht an der Bibel. Ich bin als Mensch fehlbar. Da hilft mir die Bibelnicht viel weiter als mein Gefühl. Ich kann immer nur hoffen und beten, daß der Geist mir hilft. Letzte Gewissheit habe ich nicht, aber auch ohne 100%iges Wissen kann ich glauben. Und das reicht. 😉
    Glauben ist auch immer ein Wagnis. Was, wenn das alles nicht stimmt? Dann sind wir einem großen Irrtum aufgesessen. Aber da mir das Leben als Christ lebenswerter erscheint, ist der Verlust wohl nicht ganz so groß – aus meiner Sicht.
    Und woher kommt der Glaube? Zum Teil aus etwas, das man “Tradition” nennen kann. Ich meine damit nicht die von Rom festgelegte und reglementierte Tradition, sondern einfach, daß unsere Eltern, Lehrer und Pfarrer uns von Jesus erzählen. Das können Bibelerzählungen sein, aber das ist dann nicht unbedingt vorgelesen. Wir erfahren dann auch von Personen, die nicht in der Bibel vorkommen, wie Luther, Franziskus, Bonhoeffer und wer noch so als “Glaubensheld” in Frage kommt. Wir hören auch Geschichten aus unserem näheren Umfeld, wo Menschen gebetet hatten und ihnen geholfen wurde oder wo sie durch den Glauben ein schweres Schicksal leichter tragen konnten etc. All das kann man auch Tradition nennen. Das sind dann eben Zeugen. Ebenso ein Zeuge ist die Bibel. Mit der kann man dann die anderen Geschichten udn Erlebnisse kritisch hinterfragen. Und umgekehrt, wieso nicht. Und dann gibt es noch die Gemeinschaft der Heiligen, die Gemeinde. Dort treffen wir uns und tauschen uns auch wieder aus über den Glauben und unser Leben damit. Wieder eine Möglichkeit, die Sache kritisch zu hinterfragen. Daneben gibt es dann auch Philosophie und Theologie, die uns ermöglichen, den Glauben in komplexe Systeme zu fassen, um uns den Umgang damit zu erleichtern, um zu abstrahieren und zu wissen, wie man in neuen Situationen mit dem alten Glauben umgehen kann oder soll. Damit kriegt man sicherlich keine Aussagen die in dem Fall “valide” sind, daß sie über allen Zweifel erhaben sind. Aber wie gesagt, ich denke, daß das im Glauben auch nicht geht, wenn man ihn nicht abtötet um ihn vollkommen handhabbar zu machen.

    Ist es also nicht eher eine Frage der ERKENNTNIS als eine Frage der Existenz solcher absoluten und allgemein gültigen Grundlage bzw. “Wahrheit”?

    So kann man das sicherlich sehen (diese Denke entspricht auch irgendwo der meinen). Aber: Selbst wenn es die eine absolute Wahrheit objektiv gibt, und wir subjektiv da nicht rankommen, was hilft es uns? Inwiefern betrifft es uns? Was, wenn der Islam Recht hat und wir das nicht merken? Nicht merken können? Dann bleiben wir Christen. Und genau das ist es ja auch, was passiert. Es sei denn, wir kommen irgendwann subjektiv drauf, daß wir konvertieren wollen (nicht, daß ich das kommen sehe). Das hat dann aber immer noch nichts mit der angenommenen unerreichbaren objektiven Wahrheit zu tun.

    Das Problem mit den allgemeingültigen Wahrheiten ist, daß die Behauptung einer solchen von Menschen und die Durchsetzung von Gesellschafts- oder Staatssystemen auf dieser Basis nie zum Segen der Menschheit wurde, sondern immer zum Fluch. Ob es nun um den Gottesstaat ging oder um den real existierenden Sozialismus. Und auch der absolute Kapitalismus kennt ja nicht nur Gewinner…

    aber ich will darauf vertrauen dürfen, dass es Gott bzw. sein Wort ist!

    Blöde Frage, aber ernst gemeint, bitte nicht falsch verstehen: Wieso reicht Dir Gott nicht? Wieso noch die Bibel?

    • Theolunke says:

      Ganz schnelle Antwort – wieso Gott mir nicht “reicht” – weil er selten klar zu mir spricht! Keine Emails, keine Träume, keine Visionen, keine Schriften mit feurigen Lettern an der Wand, keine Stimmen im Sturm, etc …

      Wirklich, ich bin da – vielleicht taub? Oder unfähig? Ich weiß es nicht …

      • De Benny says:

        Aber durch die Bibel spricht Er doch zu Dir…? Spricht Er da klar? Geht mir nicht so, meist sind es diffuse Gedanken, die mir da kommen, die ich schlecht in Worte fassen kann, aber trotzdem irgendwo verstehe. Es sei denn man sagt, Gott rede genau das, was da steht. Aber dann bräuchte man den Heiligen Geist ja nicht zum Verstehen, wie Du oben noch bestätigt hast…

      • Theolunke says:

        Hm, ja, die Bibel finde ich in vielen Aussagen sehr klar. In einigen nicht, das stimmt – aber die “zentralen” Aussagen sind doch eindeutig, oder nicht? Da sind sich ja alle Christen zu allen Zeiten – im großen und ganzen – einig gewesen!

        Aber ich möchte dich doch fragen – woher weißt du etwas von Gott? Nicht nur “seine Existenz” … sondern im Alltag? Oder bist du da “auf dich allein gestellt”? … (ehrliche Frage, bin neugierig 😀 )

      • De Benny says:

        aber die “zentralen” Aussagen sind doch eindeutig, oder nicht? Da sind sich ja alle Christen zu allen Zeiten – im großen und ganzen – einig gewesen!

        Hmm, kommt darauf an, was man als die zentralen Aussagen ansieht. Wenn es darum geht, daß in Christus Gott auf die Erde kam, für uns starb und uns erlöste und am dritten Tage auferstand nach der Schrift, nun, dann ist das recht unumstritten. Wenn dann dazukommt, daß die Art und Weise, wie die Erlösung und der Kreuzestod genau zu verstehen sind darauf festgelegt wird, daß Gott beleidigt war wegen unserer Sünde und erst mal Blut sehen wollte, bevor Er usn vergeben konnte, dann sind es schon weniger, die da mitgehen. Wenn dann noch aus zwei AT Versen, deren Übersetzung alles andere als klar ist, abgeleitet wird, daß Gott Homosexualität hassen würde, sind es noch weniger und wenn dann noch jemand behauptet, eine Ehe sei eine Sache zwischen einem Mann und einer Frau, dann werden die zentralen Aussagen sogar unbiblisch – siehe etwa Jakob und seine vier Frauen.
        Man kann sicherlich auch andere Beispiele finden.
        Die Frage ist doch, auch im ökumenischen Kontext, was die zentralen Punkte sind, wie weit die gehen, und was dann noch kulturbedingte Auslegung ist. Etwa wenn die Katholiken Wert auf das Bischofsamt legen oder die Baptisten den Verstand so hpch hängen, daß die Taufe nur möglich ist, wenn man sich selbst verstehend dazu entscheiden kann…

        Mir jedenfalls fällt es zeimlich schwer solche zentralen Aussagen zu umreißen, ohne damit irgendwelche Christen auszuschließen (und andererseits Leute mit drin zu haben, die ich weniger als Christen ansehe, etwa Jehovas Zeugen).

        Aber ich möchte dich doch fragen – woher weißt du etwas von Gott? Nicht nur “seine Existenz” … sondern im Alltag? Oder bist du da “auf dich allein gestellt”?

        Im Alltag? Nun, Bibel lese ich so oft nicht, war mal mehr, wird vielleicht auch wieder mehr. Ich entdecke Gott aber auch in anderen Geschichten. Das geht schon in Richtugn Gefühl, aber denkenden Gefühl. Ist das verständlich? Wohl eher nicht. Hmm, es gibt da so gewisse Muster, die man in der Bibel finden kann (oder in jeder guten Erzählung von Gott), die dann auch in anderen Geschichten oder Filmen wiederkommen. Oder in Liedern. Oder ich sehe, wie Kinder miteinander spielen, und freu mich dann und weiß, all das Gute, das kommt von Gott. Das wär dann wieder so ne Gefühlssache. Aber an sich: Die ganze Sache ergibt einfach Sinn. Liebe ist stärker als der Tod, und sie überwindet alles. Das Kreuz, das für viele Menschen keinen Sinn ergibt, ergibt für mich (und wohl alle Christen) durchaus Sinn: Im bedingungslosen Lieben, im Hinnehmen aller Angriffe und Verletzungen, ohne es zurückzuzahlen, wird aller Haß, alle Gewalt zu einem Ende gebracht und der Mensch, der davon beherrscht ist letztlich überwunden.

        Ein Gott, der so liebend ist, und da kenn ich nur den christlichen, ist tatsächlich der Stärkste. Weil Er eben nicht nötig hat, draufzuhauen. Alle anderen Götter, so scheint mir, regieren durch Macht und Gewalt. Unser Gott hätte das auch drauf, aber Er ist stärker. Das zu begreifen, dauert eine Weile, und es bringt demjenigen, der es verkündet erst einmal viel Hohn ein. Aber amEnde ist es doch so: Derjenige, der sich durch nichts, durch keine Gewalt, provozieren läßt, ist letztendlich stärker als alle anderen, die provozierbar sind. Und diese Stärke liegt in der Liebe, denn die Liebe ist es, die nicht vergilt.

        Man könnte mir jetzt vorwerfen, viele leere Worte zu machen. Aber besser kann ich es nicht ausdrücken. Ich sehe, daß die Botschaft, die das Christentum (auch via Bibel aber nebenher auch im Handeln und der Kunst) verkündet, eine Wahrheit hat, der Welt entspricht auf eine Weise, in der keine andere Lehre die ich kenne, der Welt entspricht.

        Reicht Dir das als Antwort?

      • Theolunke says:

        Hm – also zumindest vom Ansatz her verstehe ich (glaub ich) schon was du meinst. Aber gerade hier wird es halt sehr “allgemein” – ich finde, es sind keine “leeren” worte. Sondern sehr allumfassende 🙂

        Aber zu dem, was du zuerst geschrieben hast. Ich denke, dass die Bibel in den primären Fragen sehr klar ist, und große Einheit herrscht. In den Sekundären Fragen kann (und soll) Vielfalt herrschen. Das Problem zwischen all den Christen auf der Welt liegt eher darin, das eine von dem anderen zu unterscheiden …

        Ist es eine primäre Frage, ob Homosexualität zur Sünde gehört? Ich denke nicht – denn ALLE Menschen begehen Sünden, da ist keiner, der Gerecht ist! Nicht einer – alle Menschen haben gesündigt und die Herrlichkeit Gottes verspielt (Bibelzitat 🙂 … Aber dass das stimmt, das sagt mir auch mein Gefühl. Also ist es nicht primär, zu fragen, ob nun homosexuelle auch sünder sind. Klar sind sie das … genauso wie ich. Und genauso auf Gottes Gnade angewiesen … DAS ist Primär. Und auch da herrscht (eigentlich) einheit … der Teufel steckt im Detail, und da wütet er ziemlich heftig. Leider – wird ein bisschen auch in meinem Artikel zum zweiten Artikel andiskutiert 🙂

    • Theolunke says:

      Paulus hatte übrigens eine Bibel – der Kanon des Alten Testaments war damals schon abgeschlossen.
      Auch David hatte “das Gesetz” und schreibt viel darüber, wie sehr er das Gesetz liebt, wie er darüber sinnt “Tag und Nacht” und es ihn leitet und führt als … naja, eben autoritatives Wort Gottes!
      Wenn man noch weiter zurück geht, dann stimmt deine Aussage aber natürlich 🙂
      Adam hatte keine Bibel, Abraham auch nicht, Isaak und Jakob ebenso wenig … aber wenn mir Gott so direkt erscheinen würde, bräuchte ich vielleicht auch keine …

      • De Benny says:

        Ob der AT Kanon damals abgeschlossen war, da hab ich schon verschiedenes gehört. Immerhin war die LXX im Gebrauch, und heute hat das AT bei uns Protestanten den Umfang des Masoretischen Text…

        Was David angeht muß man nun sehen, inwiefern Du die Ergebnisse der heutigen Bibelwissenschaft annimmst. Denn da ist man ja auf dem Standpunkt, daß der Pentateuch erst nach David geschrieben wurde. Allerdings bezieht sich “Gesetz” nicht immer auf den Pentateuch, sondern kann unter Umständen auch das meinen, was Gott will. Quasi sind damit die Vorläufertexte und Überleiferung des Pentateuch und der Propheten gemeint. Dann hatte David ein Gesetz. Aber eben keins, was niedergeschrieben gewesen wäre, sondern eher sowas wie ein common law, ein Verständnis davon, was gut ist und was nicht. So konnte er auch wissen, daß es nicht in Ordnung ist, einem verdineten Offizier die Frau auszuspannen und ihn dann in den Tod zu schicken… aber ein niedergeschriebenes Gesetz, das irgend einem Text entspräche, den wir heute haben, das hatte David wohl eher nicht. Da ist mir auch keine Bibelstelle (um wieder zur Bibel zu kommen) bekannt, die das behaupten würde.

        Was Du weiter schreibst über David, daß er über das Gesetz sinnt… meinst Du Psalm 1? Da steht nichts von David. Und selbst wenn, muß man da vorsichtig sein, denn die Autorenangaben, die einzelnen Psalmen vorangehen weichen oftmals voneinander ab. Dabei gilt: Je neuer die Handschrift, desto mehr Psalmen werden David zugeschrieben. Diese Zuschreibungen stehen also in den dringenden Verdacht, nachträgliche “Erfindungen” zu sein. Damit drückte man dann eben aus, wie wichtig einem der jeweilige Psalm war, indem man ihn einem großen “Helden” zusprach. Ist im Grunde nichts anderes, als wenn die Unterzeichner der Chicago Erklärung diese hochhalten, um auszudrücken, wie wichtig ihnen die Bibel ist, auch wenn sie bei Nachfragen zustimmen, daß die Bibel nicht aus sich heraus unfehlbar ist sondern nur, wenn der Heilige Geist dazukommt, der aber nciht verfügbar ist…

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