Tag 28: Donald Duck im Parlament, oder “Gottes Maßstab”

Quelle: Wikipedia

Na gut, ich gebe es zu, der Titel ist bewusst provokant. Vielleicht sogar ein bisschen irreführend, es geht nicht um Politik. Aber es geht um ein Thema, das mich in den letzten Tagen sehr beschäftigt hat. Seit ich dieses Experiment (Infos HIER) angefangen habe, kopfe ich mit dem Vers “Was Gott krumm gemacht hat, kann man nicht gerade biegen” – das steht so oder so ähnlich gleich zwei Mal bei den Beobachtungen des “Predigers” (Kapitel 1 Vers 15 und Kapitel 7, Vers 13). Was bitte soll ich damit anfangen? Heißt das etwa, dass Gott die Banane gekrümmt hat und dass sie deswegen krumm ist – und aus keinem anderen Grund? Heißt dass, dass uns Gott den Rücken krümmt und wir deswegen einen Buckel bekommen? Ist das eine straßenbautechnische Anweisung für Tiefbauingenieure? (Bis jetzt kannte ich nur “Was Gott durch einen Berg getrennt hat, soll der Mensch nicht mit einem Tunnel verbinden” … aber das hilft hier auch nicht weiter).

Nun denke ich doch, dass ich in der Erkenntnis in dieser Frage ein Stück weiter bin – es geht, so meine ich, um Maßstäbe. Und zwar darum, WER denn nun eigentlich den Maßstab bestimmt. Und hier komme ich nun endlich zu meinem Titel zurück. Der amerikanische Schauspieler Orson Wells sagte einmal: “Beliebtheit sollte KEIN Maßstab für die Wahl von Politikern sein. Wenn es auf Popularität ankäme, säßen Donald Duck und die Muppets längst im Senat” – Er sagt hier, wenn wir bei Politikern einen falschen Maßstab anlegen, dann kann das zu ernsthaften Problemen führen.

Quelle: Wikipedia

Aber mal unabhängig davon – wer oder was bestimmt denn, was ein Maßstab ist? Und was kann man denn überhaupt als Maßstab verwenden? Oft hört man ja: “Nun, das Gesetz ist ja der Maßstab an dem wir uns im alltäglichen Leben orientieren” Das macht durchaus Sinn – aber an welchem Maßstab orientiert sich das Gesetz? Nun, als politikinteressierter Leser wirst du nun sagen: “An der Verfassung” – und das ist gut so. Aber – und jetzt die 1.000.000 EUR Frage: An welchem Maßstab orientiert sich die Verfassung? … Hm, nicht so einfach, oder? In Österreich, oder eigentlich in den meisten westlichen Ländern sind das, so meine Vermutung, die Werte der Bibel – des christlichen Glaubens. Das ist ein möglicher Maßstab! Und vielleicht nicht mal der Schlechteste! Aber ich gebe zu, man bekommt da “realpolitisch” bzw. gesellschaftlich gesehen sehr schnell einen scharfen Wind ins Gesicht gepustet. Denn die Bibel – darüber sind sich doch alle einig (vor allem diejenigen, die sie noch gar nie unvoreingenommen gelesen haben) – ist doch altmodisch, überholt, fehlerhaft, intolerant, etc. … Also zumindest behauptet Dan Brown das, und der muss es ja schließlich wissen! (Achtung: Ironie!)

Bildquelle: Wikipedia

Bildquelle: Wikipedia

Um es kurz zu machen – das stimmt so nicht! Die Bibel ist weder altmodisch oder überholt (das was Jesus in der Bergpredigt sagt, ist eine Ethik, die heute noch genauso relevant ist wie vor 2000 Jahren), noch fehlerhaft (die Bibel ist vermutlich das mit großem Abstand bestüberlieferte Dokument aus der Antike – Textkritiker sind sich einig, dass die wenigen Unklarheiten, die wir heute noch haben, hauptsächlich unbedeutende Stellen – Artikel, Fälle, Satzstellungen, etc. – betreffen), noch intolerant! Dazu möchte ich noch was sagen. Denn ich denke, das wird doch die “meistwidersprochene” Behauptung hier sein. Ja, die Bibel geht davon aus, dass es nur EINE Wahrheit gibt. Und diese steht – zur großen Überraschung – in der Bibel. Aber ist das intolerant – oder denkt dasselbe nicht JEDER von sich selbst auch? Wenn ich sage: “Es gibt KEINE absolute Wahrheit” – dann habe ich damit einen Absolutheitsanspruch. Ich behaupte einen Satz, der eine absolute Wahrheit enthält … merkt ihr das Problem? Und das Problem wird noch größer – wenn ich sage, DASS muss man nun glauben, um tolerant zu sein – dann mache ich MICH zum Maßstab. Und ich weiß nicht wie es euch geht – aber wenn ich der absolute Maßstab für die ganze Welt werde, dann Gute Nacht! Genauso wenig macht es mir viel Hoffnung, wenn plötzlich jeder sein eigener Maßstab wäre. Auch das würde sehr schnell große Probleme verursachen. Die Bibel hat einen Absolutheitsanspruch, zugegeben (wie jeder andere auch) – aber ist sie darin intolerant? Ich möchte hier bewusst NICHT die “kritischen” Themen anschneiden, das wird vielleicht eh in den Kommentaren geschehen (dann werde ich auch gern darauf eingehen) – aber nur soviel: Wenn wir die Bibel als Maßstab ablehnen, sollten wir einen “Alternativvorschlag” haben, was denn der Maßstab sein soll. Das muss uns in dieser Diskussion bewusst sein!

Soviel mal meine Gedanken dazu (war da wieder sehr theoretisch, es wird bei den nächsten beiden Tagen wieder praktischer – versprochen!)

Advertisements
This entry was posted in Aus dem Leben gegriffen ..., Tag 26 - 30: "... und gehorche seinen Geboten" and tagged , , , , , . Bookmark the permalink.

2 Responses to Tag 28: Donald Duck im Parlament, oder “Gottes Maßstab”

  1. Paul says:

    Ich bin gespannt, wie es weiter geht! Nur so als Anregung, was heißt es denn wirklich einen Text, geschweige denn eine Sammlung von gänzlich verschiedenen Texten als Maßstab zu nehmen? Beziehungsweise was heißt es, einen Text wirklich ernst zu nehmen?

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out / Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out / Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out / Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out / Change )

Connecting to %s