Brutto oder Netto?

Die Frage ist innerhalb von Kirchengemeinden eine sehr emotional diskutierte – klar, sobald es um Geld geht, hört sich oftmals die Liebe auf! Es geht um das Thema des “Gebens”, des Spendens – wie viel muss ich geben, was wird von mir erwartet? Was geben denn die anderen – und was meint denn Gott, dass richtig wäre? Im Gottesdienst geht dann ja immer der “Klingelbeutel” durch die Reihen, und ein jeder greift zur Geldbörse – und wenn es nur ein paar Centstücke sind, aber jeder sollte doch SEHEN: “Ich geb was”!

Quelle: Wikipedia

Quelle: Wikipedia

Aber gerade in freikirchlichen Gemeinden ist es mit ein paar Cent selten getan. Da spricht man vom “Zehnten” geben, ein Prinzip, dass wir im Alten Testament in der Bibel finden. “Der Zehnte”, das bedeutet, dass man 10% seines Einkommens an die Priester abgibt. Damit wurden diese ernährt, außerdem konnten damit soziale Maßnahmen (Armenspeisung, medizinische Versorgung, …) ermöglicht werden. Aber was heißt dass den für uns heute? Im Neuen Testament findet man recht wenig dazu, auch wenn Jesus auffallend OFT über Geld redet. Da steht dann zum Beispiel, unser Vorbild soll die arme Witwe sein, die ALLES in den Opferstock warf, das sie hatte. Na gut, angesichts dieser Alternative halten wir uns doch lieber ans Alte Testament – bevor wir ALLES abgeben sollen, wählen wir doch eher das Prinzip des “Zehnten”, oder? Aber gut – eine Frage die sich da oft ergibt ist: “Geb ich vom Bruttogehalt oder vom Nettogehalt?” – eine berechtigte Frage, wenn wir davon ausgehen dass von meinem Gehalt sowieso 50% vom Staat einbehalten werden – und damit neben Beamten, Straßenbauprojekte und Politikerpensionen AUCH soziale Maßnahmen wie eben Mindestsicherung, Krankenhäuser und vieles mehr finanziert werden. Wozu also noch den “Zehnten” geben? Reicht das denn nicht? Diese Beobachtung ist zwar nicht von der Hand zu weisen, greift aber zu kurz! Denn der HAUPTZWECK des Zehnten war, den Gottesdienst und den Priesterdienst zu ermöglichen! Die Anbetung Gottes, die Opfer, die Bewahrung der Lehre, etc. Dieses “gottesdienstliche Leben” findet heute – und das ist auch gut so – in und um unseren Kirchengemeinden statt. Das Geld dient also dazu, Gott zu ehren, Christen zuzurüsten um im Alltag ihren Glauben zu leben und Menschen mit dem Evangelium zu erreichen. Und das wird eben NICHT von den 50% finanziert, das sich der Staat von unserem Gehalt nimmt …

Und zuletzt noch ein Gedanke – Gott lässt sich nichts schenken, ihm gehört sowieso ALLES, was wir haben! Wenn wir selbst großzügig geben, dann wird Gott sich nicht lumpen lassen – er hat uns sogar versprochen, uns zu segnen!

(Lies dazu mal Maleachi 3,10: “Bringt aber die Zehnten in voller Höhe in mein Vorratshaus, auf dass in meinem Hause Speise sei, und prüft mich hiermit, spricht der HERR Zebaoth, ob ich euch dann nicht des Himmels Fenster auftun werde und Segen herabschütten die Fülle.”

Die Frage an uns also, wenn wir überlegen ob wir geben sollen von “Brutto” oder von “Netto” – wünschen wir uns von Gott den Segen “Brutto” oder “Netto”? Das ist die Frage … (Achtung: Es geht NICHT unbedingt um materiellen Segen – Gott will uns nicht weniger, sondern VIEL MEHR geben, als materiellen Wohlstand!)

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6 Responses to Brutto oder Netto?

  1. theamyoungproject says:

    Ich finde Gemeindespenden richtig und wichtig. Aber in vielen Gemeinden wird mit dem “Zehnten2 und mit der Kollekte echt nur noch geschachert. Ich war Hartz4 Empfängerin für lange Zeit und habe trotzdem gespendet. Ich habe aber immer das Gefühl gehabt, dass man mich für meine kleine Spende immer verurteilt hat.Vielleicht litt ich unter Einbildung, ich weiß es nicht. Ich glaube aber dennoch, dass Gott die Sache viel lockerer sieht als so manche Gemeinde.

    • Theolunke says:

      Gott sieht die Sache SICHER lockerer, als so manche Gemeinden – denn er sagt: Jeder soll bereitwillig, ohne Zwang und mit einem freudigen Herzen” geben … wenn sich Menschen gezwungen oder unter Druck gesetzt fühlen, ist es besser wenn sie gar nichts geben … das wäre dann fast schon Heuchelei!
      Eine Gemeindeleitung, die – und sei es auch unbewusst – da so einen Druck macht, macht sich eigentlich schuldig …

  2. foxney90 says:

    Was ist mit der Kirchensteuer?

    • Theolunke says:

      Fällt wohl unter “Zwangsabgabe” … also nicht unbedingt das, was Paulus gemeint hat 🙂
      Aber Christen zu Paulus Zeiten haben eben doch FREIWILLIG und ohne Zwang um einiges mehr gegeben, als das, was wir heute als “Kirchensteuer” kennen (und nein, denen ist es finanziell nicht besser gegangen … denke ich 🙂

  3. sepp says:

    “wenn die münze im kasten klingt, die seele aus dem feuer springt” …
    spaß beiseite: auf der einen seite sind geiz und habsucht die sünden schlechthin für die in unseren breiten der grad an sehbehinderung wohl am größten ist. es ist auch eine frage der wichtigkeit des geldes und verbunden damit die wichtigkeit von luxus. denn fast kein österreicher lebt nicht im luxus, wenn man luxus so definiert, dass er das beinhaltet, was über das zum leben notwendige (nahrungsmittel, dach über dem kopf) hinausgeht. trotzdem hat man angst, in finanzielle schwierigkeiten zu geraten, wenn man bei der kollekte zu tief in den geldbeutel greift. und man gibt sich auch der illusion hin, dass, je mehr geld man hat, desto mehr man gerne spenden würde. die menge des gespendeten wird von gott nicht anhand der summe berechnet, sondern anhand anderer parameter: darunter allen voran: dein herz (hananias und saphira);

    • Theolunke says:

      Du führst “Hananias und Saphira” als negatives Beispiel an … die Witwe im Tempel in Markus 12 und Lukas 21 wäre ein positives Beispiel 🙂
      Aber es stimmt, Gott berechnet nicht anhand der Summe, sondern er sieht das Herz an!

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