Tag 23: Ein Besuch im “Trauerhaus” oder: Wo wir weise werden …

Ich habe schon am Tag 7 einmal über das Thema “Tod” geschrieben. Aber es scheint fast eines der Lieblingsthemen von Salomo zu sein, so oft wie er das in seinem Buch “Prediger” anspricht. Tatsächlich begegnet uns, wenn wir diesen Teil des Alten Testamentes lesen, immer wieder dieser Gegensatz: Auf der einen Seite Leben genießen, essen, trinken und in Dankbarkeit den Tag verbringen – und dann auch die Realität des Todes, Ungerechtigkeit und Leid.

Ich glaube, der Mieter dieses Grabes wird der Aufforderung nicht nachkommen ...

Ich glaube, der Mieter dieses Grabes wird der Aufforderung nicht nachkommen …

Salomo ist wie es scheint ein knallharter Realist – er sieht, wie der Hase läuft und nennt die Dinge beim Namen. Freud und Leid liegen ja auch im Leben oft ganz dicht zusammen, oft trennt diese beiden Extreme nur ein sehr schmaler Grad. Salomo ist kein depressiver alter Mann, der den Tod herbeisehnt. Er ist aber auch kein “Hedonist”, dh. jemand der nur für Spaß und Glück lebt. Er rät uns, ein “ausgeglichenes” Leben zu führen, zu genießen, aber nicht die beinharte Realität des Todes aus den Augen zu verlieren. Nur Narren meinen, sie könnten in dieser Welt ewig leben und müssten niemals ihrem Schöpfer gegenübertreten. Und so gibt er uns auch einen ganz praktischen Ratschlag, wie wir eben KEINE Narren sind: In Kapitel 7, Vers 2 finden wir folgenden Tipp: ” Geh lieber in ein Haus, wo man trauert, als dorthin, wo gefeiert wird. Denn im Trauerhaus wird man daran erinnert, dass der Tod auf jeden Menschen wartet.

Auch hier trifft Salomo nicht wirklich den Mainstream, gibt uns zu Denken. Jeder ist gern auf Partys, die meisten Menschen feiern gerne und sind lieber zum Geburtstagsfeiern eines Freunde eingeladen als zum Leichenschmaus eines solchen. Zutiefst verständlich, und Salomo sagt nicht, dass das schlecht ist (wir erinnern uns, “alles hat seine Zeit, lachen und auch weinen”). Aber in einer Zeit, in der man über den Tod kaum redet, in der die Toten hinter hohen Friedhofsmauern versteckt werden und die Todesanzeigen nur studiert werden um erleichtert sagen zu können: “Betrifft mich zum Glück nicht” – in so einer Zeit ist es heilsam, einmal einen Friedhof zu besuchen. Einfach nur, um der Wahrhaftigkeit des Todes ins Auge zu blicken.

Innsbrucker WestfriedhofIch habe die Tage einen Friedhof in Innsbruck besucht, bin darüber spaziert, habe meine Gedanken wandern lassen. Da liegen tausende Menschen begraben, die – wie du und ich – eines Tages Gefühle hatten, Hoffnungen, Erwartungen, Träume … was bleibt von einem Menschen, wenn er gestorben ist? Was kann er mitnehmen ins Grab? “Das Totenhemd hat keine Taschen” sagt man – und das stimmt. Die Beschriftungen auf den Grabsteinen erinnern manchmal wie blanker Hohn an das, was gewesen ist. Da ruhen Oberstudienräte und Werksmeister neben Postbeamten, Bäckern, Friseuren, Direktoren, Lehrern, Hausfrauen … und doch stimmt es nicht, was am Grabstein steht. Denn derjenige, der darunter liegt, ist nichts von alledem. Der Tod ist der ewige “Gleichmacher”, im Grab sind wir nicht mehr der (bzw. die), der wir einmal waren. Aber wer sind wir dann? Was bleibt von einem Menschenleben wenn der Tod alles wegnimmt? Was bleibt von dir, von mir einmal? Nur Erinnerungen? Nur Schall und Rauch? Und die Erinnerungen – auch diese verblassen, auch diese sind endlich! Und die Zukunft? Ist unser Leben am Ende nur mehr eine verschwindende Ahnung, ein Rauch, der verweht, eine Blume, die auf der Wiese verdorrt und aus der Wirklichkeit vergeht?

Wir müssen uns diesen Fragen stellen. Um weise zu werden. Damit wir erkennen, wofür wir leben! Unbedingt!

PS: HIER <– geht es zur Erklärung, was es mit diesem “30-Tage-Experiment” auf sich hat!

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