Gestatten: Die “FKÖ” – Anerkennung als Chance?

Nein, die FKÖ ist keine politische Partei, die es in letzter Sekunde gerade noch geschafft hat, bei den kommenden Nationalratswahlen österreichweit anzutreten. Ähnlichkeiten mit bestehenden Parteien sind dann auch tatsächlich rein zufällig und weder gewünscht noch geplant.

Quelle: freikirchen.at

Quelle: freikirchen.at

FKÖ steht für “Freikirchen in Österreich” und hinter diesem Titel verbergen sich gleich fünf verschiedene freikirchliche so genannte “Bünde” (dh. Zusammenschlüsse verschiedener Ortsgemeinden zu einer Organisation), und zwar die Baptistengemeinde, die Freie Christengemeinden / Pfingstgemeinden, der Bund evangelikaler Gemeinden, die Elaia Christengemeinden und die mennonitische Kirche. Bei all den Begriffen hier ist sogar mein automatisches “Wörterbuch”, welches im Hintergrund die Schreibfehler korrigiert, überfordert. Für mehr Infos, klickt einfach auf die Namen, dann kommt ihr zu den jeweilige Homepages.

Aber um was geht es da eigentlich? In ganz wenigen Worten könnte man das ganze so beschreiben: Österreich hat ein Religionsgesetz, welches immer wieder als sehr modern und fortschrittlich gerühmt wurde. Immerhin hat Österreich bereits vor 100 Jahren den Islam als Religionsgemeinschaft anerkannt, ein richtiger Schritt in Richtung “Religionsfreiheit” in unserem Land. Durch dieses Religionsgesetz werden bestimmte Zugeständnisse im Steuer- und Veranstaltungsgesetz ermöglicht, man wird im Gesetzgebungsprozess zumindest wahrgenommen, in der täglichen Arbeit gibt es Erleichterungen (Gefängnis- und Krankenhausseelsorge, Sonntagsarbeitsgesetz – Pastoren arbeiten meist doch auch am Sonntag, u.ä.), Religionsunterricht an öffentlichen Schulen wird ermöglicht und einiges anderes mehr (böse Zungen sprechen hier von “Privilegien”). Und doch hat sich der österreichische Staat in den letzten Jahren verstärkt bemüht, eine Anerkennung als Kirche möglichst schwierig bis nahezu unmöglich werden zu lassen. So konnte die Anerkennung der Zeugen Jehovas nur unter Einschaltung des Verfassungsgerichtes ermöglicht werden. Und auch für die oben genannten Bünde erwies sich der Weg zur vollen Anerkennung als sehr steiniger. Auch hier stand eine Einschaltung eines Gerichtes schon im Raum. Doch dann kam ein Vorschlag, der alles änderte …

Quelle: freikirchen.at

Quelle: freikirchen.at

Jeder der fünf Bünde war für sich zu klein um hier wirklich eine Rolle spielen zu können. Warum also nicht gemeinsam den Weg beschreiten. Ein Schelm, wer hier nun Böses vermutet und denkt, das geschah alles nur aus pragmatischen Gründen. Und doch, so ganz weit weg scheinen diese Verdachtsmomente nicht zu liegen. Denn auch wenn alle fünf Bewegungen im Grunde dasselbe glauben, so war es doch in der Vergangenheit oft schwierig, die Gemeinsamkeiten zu sehen. Zu oft wurden die Unterschiede in den Vordergrund gerückt, wurden Gräben gezogen und vertieft, anstelle einer gemeinsamenAnstrengung für den Glauben und das Evangelium. Doch die Entwicklung in den letzten Jahren machte Hoffnung, immer mehr Christen fanden sich nicht mit der Tatsache ab, dass getrennt ist, was Jesus doch eigentlich einmal als EINE Gemeinschaft, EINE Kirche – ja, EINEN Leib, wie es die Bibel nennt, initiiert hat. Und so sehe ich – trotz der Bedenken – diesen Schritt der gemeinsamen Anerkennung eher als kontinuierliche Fortsetzung eines gemeinsamen Weges, der an einzelnen Orten in Österreich schon begonnen hat. Dieser Schritt kann eine gewaltige Chance sein, die Einheit als Christen, zu der wir ja “berufen” also von der Bibel her aufgefordert, sind, tatsächlich Realität sein zu lassen. Freilich hängt das davon ab, in wie weit man nun diese “Institution” FKÖ auch mit Leben füllt. Denn letztendlich kann Einheit niemals “von oben” verordnet werden, sondern muss sich im täglichen Miteinander zeigen. Nicht nur in Innsbruck, sondern auch in Linz und vielen anderen Orten passiert das bereits und die Anerkennung ist nur eine Bestätigung des Weges. Anderswo sind vielleicht Christen, Kirchengemeinden und Gemeindeleiter nun erst recht aufgefordert, aufeinander zuzugehen und Barrieren abzubauen.

Bevor ich hier aber ins Schwärmen komme, natürlich gibt es auch Risiken. Zum Beispiel gibt es auch außerhalb dieser neuen “Institution” christliche Freikirchen, die genau so wertgeschätzt und gesehen werden sollten. Die “FKÖ” sollte hier eine Möglichkeit zum Miteinander finden. Und natürlich geht es auch um den Dialog mit anderen Kirchen und Religionsgemeinschaften – auch hier wird man wohl zuerst einmal erste “Gehversuche” als neue “offizielle” Kirche im Kreis der anerkannten Religionsgemeinschaften machen. Die Frage, wie man die vielfältigen Möglichkeiten nun auch nützt und mit Aktivität und Leben füllt, ist eine andere aktuelle Frage – im Moment wird sehr intensiv an den Rahmenbedingungen für einen “freikirchlichen Religionsunterricht” gearbeitet. Aber das ist nur EIN Aspekt unter vielen, die auf uns als neue Gemeinschaft zukommen.

Am Donnerstag Vormittag kommt es in Wien zu einer ersten Pressekonferenz als FKÖ. Auf dem entstehenden Internetauftritt der FKÖ (freikirchen.at) wird es dann auch wieder Informationen geben.

Soviel mal ein paar Gedanken meinerseits zu diesem doch ziemlich bedeutenden Ereignis in der religiösen Landschaft Österreichs!

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