Tag 2: Auf Messers Schneide

Als ich heute nach dem Aufstehen meine Liste mit Bibelversen aus dem Buch “Prediger” durchging, hatte ich eine sehr außergewöhnliche Erfahrung: Gott hat ziemlich deutlich zu mir gesprochen, was heute “dran” wäre. Ich blieb beim Vers 10,10 hängen: “Wenn die Axt stumpf geworden ist, weil ihr Benutzer sie nicht geschliffen hat, muss er sich doppelt anstrengen. Der Kluge hält sein Werkzeug in Ordnung! 

Zuerst dachte ich: “Hä – was soll ich nun damit? Ich bin ja kein Holzfäller, Mensch …” Abermesser dann sagte Gott mir: “So, nun geh in die Küche, pack alle deine Messer zusammen und kümmere dich ENDLICH drum, dass die geschärft werden!” Ihr könnt euch vielleicht vorstellen, dass ich etwas verblüfft war. “Moment mal, Gott” dachte ich bei mir: “Es geht hier doch um irgendwelche spirituelle Erfahrungen, oder etwa nicht? Messer schärfen kann hier wohl nicht gemeint sein! Oder doch?”
Aber Gott erinnerte mich dann ziemlich direkt daran, als ich zuletzt gekocht habe. Ich hatte ein wunderbares Stück Fleisch vor mir, da war nur eine unbedeutende Sehne, die ich noch entfernen wollte. Als ich dann aber das gute Stück mit meinem schärfsten Küchenmesser bearbeitete, war es bald aus mit meiner Contenance – ich schimpfte und ärgerte mich über dieses blöde Messer und über den unfähigen Verantwortlichen hier in dem Haushalt, der sich nicht um das Schärfen kümmert. Als ich die Sehne endlich entfernt hatte, war das Stück Fleisch – naja, ziemlich malträtiert.

Gott wusste ziemlich genau, dass ich jedesmal ein bisschen die Fassung verlor, wenn ich mich über meine Küchenwerkzeuge ärgerte! Also – und da muss ich ihm im Nachhinein doch recht geben (ihr kennt das vielleicht: Im Nachhinein muss man ihm irgendwie IMMER recht geben …): Es war vielleicht wirklich dran, auch hier ganz praktisch zu denken und das endlich anzugehen! Nun, einen Tag später bin ich rundum glücklich und freue mich wie ein neuer Schilling (altehrwürdige österreichische Währung des letzten Jahrtausends) über die frisch geschliffenen Messer! Herrlich!

Die Säge schärfen

Quelle: Wikipedia

Quelle: Wikipedia

Doch im Laufe des Tages dachte ich immer wieder über die Bedeutung dieses Verses nach. Stephen Covey, der das Buch “7 Wege zur Effektivität” schrieb, erzählte folgende Geschichte: “Sie laufen durch den Wald und treffen auf einen Mann, der fieberhaft daran arbeitet, einen Baum umzusägen. “Was machen Sie denn da?” fragen Sie. “Das sehen Sie doch”, antwortet er ungeduldig. “Ich säge an diesem Baum” “Sie sehen erschöpft aus! Wie lange sind Sie denn schon zugange?”
“Über fünf Stunden”, sagt er, “und ich bin k.o.! Das ist harte Arbeit.”
Sie stellen die Frage: “Warum machen Sie dann nicht ein paar Minuten Pause und schärfen die Säge? Ich bin sicher, dass es dann viel schneller ginge.”
“Ich habe keine Zeit, die Säge zu schärfen”, sagt der Mann energisch: “Ich bin viel zu sehr mit Sägen beschäftigt”

Wir schmunzeln vielleicht über diesen Mann, der sich nicht sehr weise verhält. Aber wie oft geht es uns im Leben gleich? Wir haben keine Zeit, um uns um die Wichtigen Dinge zu kümmern, weil die Dringenden Dinge unsere ganze Energie und Kraft erfordern! Gerade in meinen letzten Wochen und Monaten, als viele verschiedene Dinge meine Aufmerksamkeit forderten, verlor ich diese wichtige Wahrheit manchmal aus den Augen! Ich verbrachte zwar zum Beispiel viel Zeit im Gebet, aber auch mein Gebet drehte sich um verschiedene Anliegen, um Projekte an denen ich dran bin und an Aufgaben die gerade Priorität haben. Aber selten nahm ich mir Zeit, um eine “Bestandsaufnahme” zu machen. Um mein “Werkzeug” zu begutachten und vielleicht auch wieder einmal zu schärfen.

Was das spezifische “Werkzeug” ist, das ist sicherlich bei jedem Menschen unterschiedlich. Was sind die Gaben und Fähigkeiten, die Gott uns gegeben haben? Was begeistert uns, wo liegen unsere Leidenschaften! Das sind immer auch Dinge, wo Gott uns verwenden und einsetzen will. Wo wir eine “Berufung” haben! Aber um das zu nützen und im Alltag einen Unterschied zu machen, müssen die Werkzeuge “geschärft” sein.

Was heißt das konkret? Mit Gott im Gebet darüber reden, vielleicht die eigenen Stärken neu erkennen, Schulungsmaßnahmen ergreifen um die Talente noch effektiver einsetzen zu können, mit anderen darüber reden, wie sie mich wahrnehmen und so weiter. Es gibt viele Möglichkeiten, wir müssen uns nur bewusst machen ,dass es notwendig ist. Und uns regelmäßig die Zeit nehmen, “die Säge zu schärfen!” Franz von Sales sagte einmal: “Nimm dir jeden Tag eine halbe Stunde Zeit, um zu beten! Außer, wenn du sehr viel zu tun hast: Dann nimm dir eine GANZE Stunde Zeit zu beten!”

Beten ist vielleicht die praktischste Möglichkeit, unser Werkzeug zu schärfen. Ich empfehle dafür auch ganz bestimmte Zeiten oder “Rituale” einzusetzen, um das nicht zu übersehen. Zum Beispiel jeden Tag während man mit dem Bus zur Arbeit fährt. Oder nach dem Aufstehen bei der morgendlichen Tasse Kaffee. Oder … naja, wo auch immer es für dich passt!

Kurz und knackig

Bibelvers: Prediger 10,10

Aufwand: Zum Beispiel jeden Tag eine halbe Stunde

Drei Schritte zur Weisheit

  1. Die eigenen Gaben und Fähigkeiten erkennen
  2. Mit Gott darüber reden
  3. Ganz praktisch Schritte unternehmen, um diese “Werkzeuge” zu schärfen

Meine Erkenntnis: Manchmal ist das Buch Prediger praktischer als man denkt …

Advertisements
This entry was posted in Aus dem Leben gegriffen ..., Schätze Salomos im Alltag, Tag 1-5: "Hinten kackt die Ente" and tagged , , , , , , , . Bookmark the permalink.

One Response to Tag 2: Auf Messers Schneide

  1. Pingback: Tag 2: Auf Messers Schneide |

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out / Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out / Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out / Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out / Change )

Connecting to %s